
Verwaltungsgebäude des Hüttenwerks
Vor nahezu exakt 10 Jahren fuhren wir vom heißgeliebten Quedlinburg mit der Selketalbahn bis nach Alexisbad und gingen die paar Kilometer zurück nach Mägdesprung. Wir waren begeistert und planten zu Hause sofort eine Wanderung. Es kam, wie es so oft kommt im Leben. Erst wurde die Wanderung immer wieder verschoben, auch mal einfach vergessen, dann hatten wir ein paar Jahre kein Auto. Letztens besuchten wir dann ebenfalls nach langer Zeit mal wieder die Roseburg und trödelten dann, weil wir früh dran waren, noch ein wenig mit dem Auto durch die Gegend. Auf einmal steht da auf einem Straßenschild der Name Alexisbad. Potzblitz! Da war doch was. Flugs mal hingefahren, wieder völlig begeistert vom Selketal, ab nach Hause, Wanderung vorbereitet und für den nächsten freien Tag eingeplant. Und was soll man hinterher sagen? Das Selketal zwischen Mägdesprung und Alexisbad untermauert den (nicht ganz) ernstgemeinten Titel „geilstes Mittelgebirge unserer Heimat“ für den Harz und wenn’s nicht so schön gewesen wäre, hätten wir uns währenddessen oder hinterher in den Arsch beißen können, dass wir diese Tour so lange vor uns hergeschoben haben. Gleich mal vorab: Die von uns gegangene Tour ist nahezu optimal gelaufen. Lediglich die Strecke zwischen dem Hammerblick und dem Parkplatz an der Landstraße 235 könnte man als (nicht allzu schlimme) Durststrecke bezeichnen. Alle auf der OpenStreetMap eingezeichneten, kleinen Nebenwege existieren weitestgehend nicht mehr und man muss dem breiten Weg folgen.
Man kann dies vermeiden, indem man bereits vor Mägdesprung über die Mägdetrappe und die „Alte Mägdesprunger Straße“ in den Klippenweg einsteigt. Das habe ich als Alternativroute auf der Karte markiert. Das kürzt die Tour erstens um einige Kilometer ab und nimmt zweitens die durstige Strecke weg – aber dafür verpasst man das sehr schöne und spannende Mägdesprung, das Carlswerk, einen wunderbaren Abschnitt an der Selke und die Hammerklippe. Ich persönlich würde also eher dazu raten, die vielleicht 1,5 bis 2 Kilometer lange und gar nicht mal so üble Strecke in Kauf zu nehmen. Das mit der Durststrecke klingt wahrscheinlich sogar für viele wie Jammern auf allerhöchstem Niveau. Aber wir sind in den letzten Jahren immer mehr zu Genusswanderern geworden. Lieber kurz und schön auf schmalem Pfad mit kleinen Erlebnissen am Wegesrand als lang und doof auf breiten Wegen von einer Großsehenswürdigkeit zur nächsten. Stempelsammler waren wir nie und Turbo-Kaiser wollen wir auch nicht werden. Der Abschnitt des Selketals zwischen Mägdesprung und Alexisbad ist geprägt vom Bergbau, vom Hüttenwesen und vom Kurbetrieb. Heute sind die beiden Orte als Erholungsorte ausgewiesen und setzen auf den Tourismus. Aufgrund der steilen Hanglagen des Tals hält sich auch die für den Wanderer allmählich zum Problem werdende moderne Forstwirtschaft sehr in Grenzen. Also findet der ganzheitlich interessierte Fußgänger hier allerlei Interessantes und Erstaunliches, eine prächtige Verbindung aus Natur und Kultur.

Schmiede vom Carlswerk aus
Wir starteten an einem kaum noch als Parkplatz zu erkennenden Fleckchen, an dem wir eigentlich nur wenden wollten. Er erwies sich dann allerdings als passender Startort für unsere erste richtige Wanderung in diesem Abschnitt des Tals. Nach der Überquerung der an dieser Stelle wirklich nicht ungefährlichen Bundesstraße 185 lockt der felsige Aufstieg direkt an der Selke. Da wir uns den für den Schluss als Abstieg aufheben wollen, geht es erst einmal ein paar hundert Meter an der Straße in den kleinen Ort Mägdesprung, der sich bei der Durchfahrt in wahrlich marodem Zustand präsentierte. Fast schon ein Schock, wenn man sich viele andere mittlerweile wieder schmuck herausgeputzte Orte im Ostharz ansieht. Aber nicht alles ist immer den lange andauernden Nachwehen der – mein Gott, es ist wirklich schon 30 Jahre her – Wiedervereinigung geschuldet. Denn die Überreste des mindestens 1710 errichteten Gasthauses Kutscherstube, die wir zuerst erreichen, zeugen von einem verheerenden Brand im Jahr 2018. Der dahinter gelegene Hotelanbau steht allerdings wirklich seit den 1990er Jahren leer und sein Schicksal scheint ebenfalls endgültig besiegelt. Auch die noch erhaltenen Gebäude des seit über 350 Jahren belegten Hüttenwerkes Mägdesprung, die wir danach erreichen und teilweise zu Gesicht bekommen, haben viel bessere Zeiten gesehen. Hier ist der Niedergang eines Kulturdenkmals deutlich spürbar. Würde man sich genauer damit beschäftigen, was hier nach der Wende abgewickelt, geklaut, verschrottet und einfach seinem Schicksal überlassen wurde, würde man wohl nur munter den Kopf schütteln können.
Auf dem ehemaligen Hüttenplatz stehen als Beweise der Leistungsfähigkeit der Hütte in Sachen Kunstguss die Skulpturen „Besiegter Hirsch“ und „Akademie-Hirsch“. Dahinter, unterhalb des sehenswerten Bahnhofs Mägdesprung, steht auf einem erhöhten Platz der ebenfalls in der Hütte gegossene Obelisk des Fürst-Friedrich-Albrecht-Denkmals. Wir hätten gerne noch ein wenig gestöbert in Mägdesprung, aber eine Wanderung steht auf dem Plan und der Weg nach Hause ist ebenfalls nicht gerade kurz. Also geht es in die Kreisstraße, in der vielleicht die meisten der knapp über 50 Einwohner des Harzgeroder Stadtteils Mägdesprung wohnen, der sich ebenfalls in 10 kleine Ortsteile aufteilt. In der Kreisstraße befindet sich das sehenswerte Ensemble des Carlswerks, bestehend aus den Ruinen des alten Walzwerks (um 1827), der angrenzenden Schmiede (1840) und des Backsteinbaus der Maschinenfabrik (um 1850). In der Schmiede finden regelmäßig Schauveranstaltungen statt, das Carlswerk ist Museum und beherbergt etliche, teils noch funktionierende Maschinen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zufällig war gerade geöffnet, aber auch für einen Besuch des spannenden Inneren war leider auch keine große Zeit an diesem Wandertag. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei den Personen, die sich die Mühe gemacht haben, fast jede kleine Sehenswürdigkeit der Gegend bei Wikipedia einzupflegen. Das machte die Recherche wesentlich einfacher und war natürlich auch für mich persönlich sehr informativ.
NSG Oberes Selketal
NSG Oberes Selketal
Zwei Naturschutzgebiete gibt es am Lauf der Selke. Das Naturschutzgebiet Oberes Selketal ist ungefähr 1611 Hektar groß und seit 1998 als Schutzgebiet ausgewiesen. Es umfasst das weitestgehende unregulierte Tal der Selke von den Quellwiesen bei Stiege bis ungefähr zur Selkemühle hinter Mägdesprung. Weiterhin umfasst es 13 Nebenbachtäler der Selke und Teile des Harzgeröder Plateaus. Im Gebiet überwiegen naturnahe Laubwaldgesellschaften mit hohem Altholz- und Totholzanteil, in denen sich zum Beispiel zahlreiche schützenswerte Felsstandorte befinden. Das Selketal beheimatet unter anderem seltene und schützenswerte Tier- und Pflanzenarten wie Wildkatze, Kleiner Abendsegler, Schwarzstorch, Wasseramsel, Bechsteinfledermaus, Blauflügel-Prachtlibelle, Mittelspecht, Bachneunauge, Feuersalamander, Großer Schillerfalter, Edelkrebs, Kriech-Weide, Arnika, und Sibirische Schwertlilie. Auch findet man hier die größte bekannte baumbrütende Mauerseglerpopulation Mitteleuropas.
Ein bisschen schade, dass nicht alle Bundesländer über ein Kartenwerk wie die niedersächsische Interaktive Umweltkarte verfügen. Dort kann man sich wirklich gut (nicht nur) über die Schutzgebiete des Landes informieren. Man kann dort auch historische Karten nutzen, wie zum Beispiel die Preußische Landesaufahme. Soviel kann ich sagen: Ein Großteil der heutigen Tour verläuft innerhalb des Naturschutzgebietes. Dort, wo das nicht der Fall ist, kann man es auch recht deutlich ausmachen – denn es handelt sich dann um die schon erwähnte, vermeintliche Durststrecke. Hinter dem zwar marode anmutenden, dafür aber auch spannenden und massentouristisch nicht überrannten Mägdesprung, das wir am Carlswerk verlassen, geht es über eine kleine Brücke ins Selketal. Hier geht die Party auf jeden Fall weiter. Das Selketal präsentiert sich hier vom Feinsten. Zuerst geht es auf schmalem Weg am Ufer des Mittelgebirgsflüsschens entlang, dann erhebt sich der Weg nach und nach immer mehr und wir wandern an Felsen und Felswänden vorbei. Von den Hammerwerken Erster Hammer, Zweiter Hammer und Dritter Hammer, die als Erweiterungen des Hüttenwerks Mägdesprung dienten, bekommen wir nicht viel mit. Lediglich der Zweite Hammer, zum Wohnhaus umgebaut, lugt aus dem Wald rechts von uns. Dafür erleben wir hier aber die Natur des Selketals hautnah. Auf Höhe des Dritten Hammers, den Vierten Hammer erreichen wir heute nicht, befindet sich ein Rastplatz, einen Parkplatz soll es auch geben. Das wäre auch ein guter Startpunkt, weil man dann die „Durststrecke“ gleich am Anfang hinter sich bringt.

An der Pionierklippe
Hier geht es recht knackig an der gewaltigen Hammerklippe hinauf. Kaum hatte ich ausgesprochen, dass ich diesen ersten Abschnitt nicht so schön erwartet hätte, traten wir unfreiwillig aus dem Wald heraus. Denn oben angelangt, ist momentan etliches an Bäumen gefällt, zum größten Teil Fichten, die glücklicherweise die ersten Opfer des sich wandelnden Klimas sind. Auch hier machen sich die letzten zu trockenen Jahre bemerkbar. Auf einer breiten, aber erträglichen Forstspur, die hoffentlich in den nächsten Jahren wieder schmaler wird, geht es zum Hammerblick, den man sich ruhig gönnen sollte. Am „Gipfel“ der Hammerklippe angekommen, von der man von hier oben nicht viel sehen kann, hat man einen netten Ausblick ins Selketal zu den Resten des ehemaligen Dritten Hammers und kann eine Pause einlegen. Auf der Schneise geht es zurück zum Hauptweg, der jetzt erstmal relativ breit bleibt. An der Schutzhütte „An der Lampe“ vorbei geht es auf dem Forstweg, der gar nicht so übel ist, wenn man ihn nicht mit dem Pfad an der Selke vergleicht, durch durchaus nette Wälder. Alle Nebenpfade, die auf der OpenStreetMap verzeichnet sind, sind weitestgehend verkrautet. An einem Abzweig steht ein Eingangsportal mit Schranke. An der sogenannten „Freien Feldlage“ befindet sich das Gelände der ehemaligen Heilstätte Harzgerode. Hier wurden von 1931 bis 1998 Kinder behandelt, die an Tuberkulose und anderen Lungenleiden litten. Seit 2018 wird der große Gebäudekomplex, der sich in einem parkähnlichen Areal befindet und von dem wir nichts mitbekommen, von einer sozial-ökologischen Gemeinschaft bewohnt.
Noch ein Stückchen geht es weiter, dann erreichen wir die Landstraße 235. Rechts ist noch ein Wanderschild am Baum, der dazugehörige Weg ist nahezu verschwunden. Die Zeiten ändern sich. Nach ein paar Metern an der Straße gelangen wir an einen Parkplatz, dahinter führt eine in die Jahre gekommene Allee zu einer Schutzhütte am Waldrand. Dann geht es wieder ins Naturschutzgebiet Oberes Selketal. Am nächsten Abzweig darf man sich für den Klippenweg oder für den Naturlehrpfad entscheiden. Mein besseres Drittel entschied sich für Ersteren. Durch den prächtigen Wald, geprägt von Eichen, Hainbuchen und Buchen, aber auch mit einem hohen Anteil anderer Bäume, geht es zum Aussichtsplatz oberhalb der Pionierklippe. Grandiose Fernsichten darf man im Selketal nicht erwarten, der Blick schweift eher auf die Wälder im Tal. Die sind aber nahezu überall sehr erlebenswert. Am Kapellenblick kann man schon einmal die Köthener Hütte erblicken, die gegen Ende der Wanderung auf uns wartet. Über das obere Ende einer der längsten Rodelbahnen des Harzes, geht es weiter zum Habichtstein mit dem Friedens-Denkmal. An Stelle des 1954 geschaffenen Denkmals stand bis 1945 ein 1813 errichtetes eisernes Kreuz, das an den Napoleonischen Krieg erinnern sollte. Ein schmaler Pfad führt uns zu dem Felsen und weiter. Vom Habichtstein haben wir den ersten Ausblick auf Alexisbad. Dominierend an dieser Stelle ist ein moderner Hotelkomplex, der früher von Angehörigen der Volkspolizei genutzt wurde. Dahinter erkennbar das wunderschöne Gebäude des momentan nicht genutzten, ehemaligen Erholungsheims der Deutschen Reichsbahn.

Die Verlobungsurne
Der Weg weiter zum Birkenhäuschen, einer 1906 errichteten Schutzhütte, bleibt sehr wanderbar. Von hier haben wir einen Blick von der anderen Seite auf den eben schon erwähnten Komplex. Inwieweit die Hütte jetzt wirklich über 100 Jahre alt sein könnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Stück weiter erreichen wir die Verlobungsurne, laut Wikipedia befindet sie sich ebenfalls auf dem Habichtstein. Entweder ist das ein sehr langer Klippenzug, den Namensgebern der Klippen im Selketal ist nichts mehr eingefallen oder irgendetwas stimmt nicht. Auch von hier hat man einen schönen Ausblick auf das südliche Ende von Alexisbad. Die zahlreichen Fetthennen, die uns auf dem gesamten Weg auf den Felsen begegnen, sollen an dieser Stelle auch endlich mal Erwähnung finden. Die auf einem Sockel thronende Verlobungsurne wurde von sechs württembergischen adeligen Pärchen gestiftet, die 1845 wohl eine sehr schöne Zeit in Alexisbad verbrachten. Verlobungen in diesem Zusammenhang konnten nicht nachgewiesen werden. Die Original-Urne aus einer schlesischen Hütte wurde mittlerweile ersetzt, der aus dem Hüttenwerk Mägdesprung stammende Ersatz wurde 1961 erneuert und 1994 renoviert. Ein Stück weit gehen wir noch auf dem Klippenweg, dann erfolgt der schöne Abstieg auf dem Serpentinenweg hinab zur Selke und nach Alexisbad.
Mägdesprung und Alexisbad - zwei gleich-ungleiche Geschwister
Beim Recherchieren ist mir aufgefallen, das (nicht nur) diese beiden Örtchen im Selketal gleicher und ungleicher nicht sein könnten, zumindest was ihre Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte angeht. Beide liegen selbstverständlich im Selketal und haben deshalb wohl auch gleiche Ursprünge. Bergbau wurde in beiden Orten mit eher mäßigem Erfolg betrieben, in beiden gab es Mühlen und beide haben einen Bahnhof der Selketalbahn. Alexisbad, die zumindest auf dem Papier wesentlich ältere Schwester, war bereits im 10. Jahrhundert Standort des Klosters Hagenrode, das im 16. Jahrhundert während der Bauernkriege zerstört wurde. Vom 17. bis ins 18. Jahrhundert wurde Bergbau betrieben, der aufgrund von Unwirtschaftlichkeit aufgegeben werden musste. Dann erkannte man die heilende Wirkung der Stollenwasser und auf Betreiben des Landesvaters, Alexius Christian Friedrich, Fürst von Anhalt-Bernburg, entstand der nach ihm benannte und zumindest zeitweilig mondäne Kurort. Das „Nesthäkchen“ Mägdesprung ist dagegen erst im 17. Jahrhundert aus dem Dunkel der Vergangenheit getreten. Für 1608 ist eine Mühle belegt, 1646 wurde die Eisenhütte gegründet, 1710 wurde die Verhüttung wegen mangelnder Rentabilität wieder aufgegeben, 1757 wieder aufgenommen. So kann man davon sprechen, dass Mägdesprung bis zur Wende für Arbeit stand, Alexisbad hingegen für Erholung. Ob im übertragenen Sinne die Mägdesprunger Arbeiter gerechterweise in Alexisbad ihre Erholung fanden, darf bezweifelt werden. Irgendwie passt es trotzdem, wenn man von Ballenstedt kommend ins Selketal fährt, dass man durch den heute recht marode erscheinenden Arbeitsort Mägdesprung in den weitestgehend wieder schnieke herausgeputzten Erholungsort Alexisbad fährt. Letztendlich vereinen sich für mich beide Örtchen, wie „hintereinander geschaltet“ im faszinierenden Selketal zu einem gemeinsamen historischen Kleinod der besonderen Art und ich habe beide gleichermaßen ins Wanderherz geschlossen.
Vom Ort Alexisbad selbst bekommen wir nicht viel mit. Bei Bedarf kann man ja einen oder mehrere Abstecher machen. Der Weg im Langen Tal, an der hier teils begradigten und kanalisierten Selke, auf der rechten Seite von interessanten Felsen gesäumt, ist aber auch weiterhin spannend. Eine Begegnung mit einem der historischen Triebwagen oder einer ebensolchen Dampflok der Selketalbahn ist ebenfalls möglich. Wir erreichen den Schwefelstollen, aus dem vom 16. bis ins 18. Jahrhundert Schwefelkies und Blei-Silber-Erze gefördert wurden und dessen Wasser dann wegen seines hohen Eisengehalts als Heilwasser genutzt wurde. Nach einer schönen Felspassage gelangen wir zur Petruskapelle, die 1815 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet, später auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt auch alle 14 Tage für Gottesdienste genutzt wurde. Nach mehreren Renovierungen erhielt das Gebäude 2008 den heutigen Namen. Vielleicht legt man noch eine letzte Rast an der Selke ein, dann geht es ein wenig hinauf und wir verlassen das schöne und schön gelegene Alexisbad. Am Luisentempel, 1823 von Fürst Alexius zu Ehren seiner Tochter Wilhelmine Luise errichtet und ebenfalls in der Hütte Mägdesprung gegossen, erreichen wir schließlich den Pionierweg (auch Magdeburger Stieg), der seinen Namen von dem später noch folgenden Felstunnel erhielt.

Die Köthener Hütte
Das ist vielleicht der schönste Abschnitt des Tages. Hier seien neben den „felsigen Fetthennen“ auch die Heide-Sträucher erwähnt, die uns den ganzen Weg über begleitet haben. Auf einem schmalen Weg bzw. Pfad geht es entlang der Felsen weit über dem Selketal. Am Pioniertunnel wird es noch einmal richtig urig. Mehrere Meter geht es durch den Fels, der im Mai 1900 im Rahmen einer Übung der 2. Kompanie des Magdeburgischen Pionier-Bataillons 4 durchschlagen wurde. Inschriften im Fels geben beredte Auskunft darüber. Auf einem traumhaftem Pfad geht es weiter zur Köthener Hütte, die 1897 vom Harzklub-Zweigverein Köthen errichtet wurde und wegen ihres kirchenähnlichen Aussehens durch den kleinen Glockenturm auch Kapelle genannt wird. Man kann jetzt dem Pionierweg folgen, gelangt dann noch zur Mägdetrappe und geht am Ende ein Stück des anfänglichen Weges zurück – oder man macht es wie wir an diesem Tag – und geht auf dem Bernburgerweg direkt hinab zum Startpunkt. Der von uns gewählte, kürzere Weg ist ebenfalls noch einmal richtig schön. Langsam geht es jetzt auf dem letzten Weg des Tages hinab ins Selketal, am Ende noch einmal durchaus märchenhaft durch Felsschutthalden am Wegesrand. Dann erreichen wir wieder die teils stark befahrene Bundesstraße 185, hoffentlich unversehrt die andere Straßenseite und damit unseren Ausgangspunkt.
Am Ende eines Tages...
Vieles habe ich wieder übersprungen, vieles nur angerissen, aber man will ja nicht alles vorgekaut kriegen und von vielem habe ich noch viel weniger Ahnung als von dem, von dem ich eh wenig Ahnung habe. Ortskundige werden vielleicht noch schnuffligere Wege kennen und bessere Streckenführungen. Es gibt auch noch einige Sehenswürdigkeiten, die wir knapp verpasst haben und die einen Abstecher lohnen würden, wie zum Beispiel die Luisenklippe und der Selke-Wasserfall. Nehme ich die recht schwachen Erinnerungen der Abschnitte des Selketals, die wir vor langen Jahren kennengelernt haben, kann ich diesen Abschnitt zwischen Mägdesprung und Alexisbad trotzdem guten Gewissens als den wohl schönsten des Selketals benennen. Trotz einer kurzen „Durchschnitts-Strecke“ kann ich diese Runde aufgrund der vielen Erlebnisse in Sachen Natur und Kultur darum auch als uneingeschränkt wanderbar einstufen. Immer einen Fußbreit festen Boden unter den Füßen und ein Lächeln auf den Lippen, dass wir hier und heute sind und nicht woanders gestern oder morgen…
Letzte Beiträge aus dem Landkreis