Im März begann ich auf Wunsch meiner Besten den Urlaub 2024 zu planen, der irgendwo in der Region Rhein-Mosel stattfinden sollte. Nach einigen Stunden fand ich das Ferienhaus „Bergfalke“ in St. Goar, das zwar preislich etwas über unseren Vorstellungen beziehungsweise Wünschen lag, dafür aber einiges zu bieten hatte. Für 2024 konnte man noch nicht buchen, aber zufällig sah ich, dass noch eine Woche im März dieses Jahres frei war. Weil wir die Gegend bisher sowieso nur von einer halbtägigen Sightseeing-Tour kannten, beschlossen wir kurzerhand, schon mal ein paar Tage auf Erkundung für einen längeren Urlaub zu gehen. Fazit: Haus „Bergfalke“ ist absolut klasse, die Gegend am Mittelrhein ist sensationell und wir haben trotz muckligen Endwinterwetters einiges erkundet, waren aber ebenso dreimal wandern. Zweimal ging es auf sogenannte „Traumpfade“ und einmal auf einen mehr oder weniger selbst gebastelten Weg, der, wenn es nicht das Wörtchen wenn gäbe, ebenfalls ein Premium-Wanderweg wäre. In Trimbs war es der Traumpfad Nette-Schieferpfad, der vom Deutschen Wanderinstitut mit einer recht hohen Punktzahl von 79 Punkten ausgezeichnet wurde. Wenngleich ich grundsätzlich nicht viel von solchen Bewertungssystemen halte, konnten wir uns beim Wanderinstitut bislang immer ganz gut orientieren. Insgesamt gibt es 26 Traumpfade im Landkreis Mayen-Koblenz, von denen wir in den nächsten Jahren hoffentlich noch einige erkunden dürfen.

Aussichtsreiches Pausenplätzchen

Aussichtsreiches Pausenplätzchen

Wir fuhren also nach Trimbs, um unsere erste Wanderung im Bundesland Rheinland-Pfalz zu absolvieren. Dort wollten wir auf dem kleinen Wander-Parkplatz an der Nette parken. Da war allerdings so viel los, wahrscheinlich wegen eines Flohmarktes für Kinderkleidung, dass wir keinen Parkplatz bekamen und gerade mit Mühe und Not wieder von dort weg kamen. Also fuhren wir zum zweiten Parkplatz in Trimbs, an dem der Nette-Schieferpfad vorbeikommt. An einer Schutzhütte gibt es gleich einige Informationen, zum Beispiel, dass wir uns in der Nähe der ehemaligen Schiefergrube Wilbert befinden. Von diesen Schiefergruben, die allesamt privat den dereinst beliebten Rohstoff zum Hausbau abbauten, gab es allein um den Ort Trimbs 37, was eine erstaunliche Konzentration darstellt. So, jetzt Wanderbotten an, Tasche und Stockerln schnappen und auf ins „Gefecht“. Es geht gleich auf einen schmalen Pfad, der uns in das Gelände der ehemaligen Schiefergrube führt. Eine wanderbare Landschaft von Anfang an. Nach wenigen hundert Metern erreichen wir die ersten offenen Felsen, von denen sich ein toller Blick in das Nettetal und das darin liegende Trimbs bietet. Eine kurze Überleitung über ein Feld und wir gelangen in den östlichen Teil der sogenannten „Trimbser Schweiz“. Das ist einfach eine unbeschreiblich schöne Landschaft, die einerseits durch den nahezu unberührten Fluss und andererseits durch den Einfluss des Menschen geformt wurde.

Mehrere Bänke, Aussichten und Informationstafeln hindern uns kurzzeitig am Weitergehen. Von einer Stelle aus kann man abkürzen oder einen kurzen Abstecher zur Abraumhalde einer ehemaligen Schiefergrube machen. Noch ein Stück weiter erwartet uns eine antike Treppe, die vermutlich durch die Kelten oder Römer in den Berg geschlagen wurde. Als ob das nicht genug wäre, gelangen wir dann zu einem weiteren fantastischen Rast- und Aussichtsplatz am Mühlenberg. Wow, das sind bereits einige Knaller nach wenigen hundert Metern. Es geht für uns jetzt weiter in das Nettetal. Tolle Pfade und Wege führen uns in Serpentinen hinab. Später im Jahr muss es hier botanisch so viel zu sehen geben, dass man gar nicht mehr vorwärtskommt. Beim Abstieg haben wir auch schöne Ausblicke auf Welling und die nähere und weitere Umgebung. Im Nettetal angekommen, wenden wir uns in Richtung Trimbs. Ein schöner Weg, der uns ein erstes, aber nicht letztes Mal in das Tal der „netten“ Nette führt. Am Ortseingang von Trimbs einer der Höhepunkte des Tages – zumindest für uns, die wir gerade die kleinen, aber feinen Überraschungen lieben – ein Automat für Bienenfutter aus einem umfunktionierten Kaugummi-Automaten. Klasse Idee!

Tunnel Hausen II

Tunnel Hausen II

Wir haben Februar 2024. Fast ein Jahr ist ins Land gegangen, seit wir diese Wanderung im März 2023 unternahmen. Viele Monate habe ich hier nichts mehr gemacht. Viel ist geschehen, dieses Land scheint dem Ende einer Ära entgegenzugehen und ich und viele andere scheinen nicht in der Lage zu sein, daran etwas zu ändern. Die Zukunft wird hart für alle, die echte Demokraten sind, echte Friedensaktivisten und die in Würde leben wollen in einer „gerechten“ Welt. Ich sehe nicht, dass ein Großteil der (ehemals) Deutschen sich gegen das Unrecht erheben will und so soll es geschehen. Ich bin nicht mehr der Jüngste und werde mich auf die schönste Hauptsache meines Lebens konzentrieren: Das Wandern abseits ausgetretener Pfade!

Von Trimbs selbst bekommen wir nicht allzu viel mit. Am Dorfplatz an der Nette finden wir einige kulturhistorisch interessante Objekte. Wir überqueren das Flüsschen und wandern kurzzeitig parallel zur Landstraße. Dann erreichen wir das Mundloch des Wasserstollens des ehemaligen Moselschiefer-Bergwerks Margareta. Hier vereint sich das Stollenwasser des 1925 erbauten Stollens mit dem Wasser eines Bachs, um wenige Meter später in die Nette zu fließen. Knackig geht es hinauf zu einem ersten Aussichtspunkt mit Rastmöglichkeit, von dem aus wir auch einen Blick auf die oberirdischen Anlagen der Grube Margareta werfen können. Das ist ein weiterer schöner Weg hier oben, der uns zu mehreren „Blickwinkeln“ führt. Zwei weitere, jeweils mit Pausenplatz ausgestattete Aussichtspunkte in Richtung Trimbs erwarten uns noch, dann erreichen wir den am Burgkopf, von dem aus wir einen Blick auf das ehemalige Eisenbahn-Viadukt im Nettetal werfen dürfen. Das macht einfach Spaß, hier zu sein. Hinter dem Burgkopf geht es auf tollen Pfaden hinab zu den beiden Tunneln, die hier den Berg durchstoßen. Der längere Tunnel Hausen I ist 449 Meter lang, den kürzeren Tunnel Hausen II, der 253 Meter Länge aufweist, dürfen wir auf dem in den 1990er Jahren entstandenen Radweg „Maifeld“ durchqueren. Das ist ein weiteres Highlight auf dem bislang sehr abwechslungsreich gestalteten Wanderweg. Hinter dem Tunnel erwartet uns ein Rastplatz, bevor wir ins Nettetal gehen. Wir machten einen Abstecher zum Nette-Viadukt, der sich aber als nicht so empfehlenswert erwies. Links und rechts des Radweges befindet sich ein hoher, hässlicher Metallzaun und allzu viel Aussicht ins Nettetal hat man auch nicht. Also vielleicht lieber gleich ins Flusstal.

In der Trimbser Schweiz

In der Trimbser Schweiz

Wieder geht es weiter auf einem schönen Pfad, der uns auch gleich wieder zu einem Aussichtsplatz führt, von dem wir einen Blick zurück zum Viadukt haben. Dann geht es hinab ins Nettetal und eine Zeitlang auf tollen Pfaden entlang des Wassers. Am kleinen „Wasserfall“ der Nette kehren wir dem Fluss letztendlich den Rücken. Eine kleine flache Überleitung führt uns am Nettehof vorbei zu den ehemaligen Schiefergruben am Barbaraweg. Der Weg, der jetzt folgt, ist wieder mal ein richtiger Knüller, vollgepackt mit allen möglichen Erlebnissen in Sachen Natur und Kultur. Eine Bekannte von uns, die fast ihr ganzes Leben in Kanada verbracht hat, sagt immer wieder, ohne herablassend zu sein, wie „niedlich und hübsch“ doch alles in Deutschland wäre. Der Barbaraweg ist da ein tolles Beispiel. Eine kleine, abgegrenzte Gegend, man ist nur wenige Meter über dem „Fußboden“ und doch hat das Ganze teils alpinen Charakter. Eine Miniatur-Landschaft halt. Der Weg ist schmal, er führt über Stock und Stein, entlang von Felsen und durch Hecken. Geil! Immer wieder finden wir am Wegesrand Relikte des ehemals hier betriebenen Schieferbergbaus. Aber auch über den jahrhundertelang um Trimbs betriebenen Weinanbau erfahren wir an langgezogenen Trockenmauern mehr. Den „krönenden“ Abschluss des Barbaraweges, der nach der Schutzheiligen der Bergleute benannt ist, bildet der Aussichts- und Rastplatz Kretzers Lay. Dann begeben wir uns auf den letzten Abschnitt des Tages, der uns ein wenig unspektakulär durch die Feldmark führt. Am Burberg haben wir noch einen guten Ausblick in die weitere Umgebung in Richtung Eifel. Danach geht es die letzten Meter zurück zu unserem Ausgangspunkt in Trimbs.

Am Ende eines Tages...

An keinem Beitrag habe ich wohl so lange „gearbeitet“ wie an diesem. Im März 2023 waren wir wandern und seitdem habe ich immer mal wieder ein paar Zeilen geschrieben. Weil wir etliche Wanderungen seitdem unternahmen, ich damit arg in Verzug bin und die Erinnerungen langsam verblassen, ist der Beitrag auch recht kurz geraten. Der Nette-Schieferpfad bei Trimbs hat 79 Punkte bekommen vom Deutschen Wanderinstitut und jeder Punkt ist redlich verdient. Eine von Anfang bis (fast) zum Ende spannende und abwechslungsreiche Runde mit Aussichten und Einblicken.

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