Am 18.03.2023 nahmen wir an einer Friedensdemo der aus den Corona-Protesten entstandenen Friedens- und Freiheitsbewegung teil. Abgesehen von der Anwesenheit einiger Scheindemokraten war es ein sehr angenehmer und schöner Nachmittag mit sehr vielen fröhlichen und netten Menschen. Wir erreichten während des Zuges durch die Stadt einige interessante Ecken und da wir der „Stadt des Löwen“ noch nie einen wirklich umfangreichen Besuch abgestattet hatten, nutzten wir die günstige Gelegenheit und kamen am nächsten Tag einfach nochmal wieder. Als Naturliebhaber und Liebhaber von alten Wallanlagen beziehungsweise Stadtbefestigungen, absolvierten wir aber keinen reinen Innenstadtrundgang mit den üblichen Sehenswürdigkeiten wie dem Magniviertel oder dem Burgplatz, sondern machten eine Art Stadtwanderung. Die aus dem Harz stammende und durch Braunschweig fließende Oker wurde im Mittelalter vielfältig genutzt, unter anderem auch als natürlicher Schutz vor Feinden. Auf Luftbildern erkennt man, dass die Oker in Braunschweig den alten Kern der Stadt beidseitig umfließt. Das ist natürlich perfekt für eine Rundwanderung um die Stadt. Also plante ich schnell eine erste Rundtour, bei der durchaus einige Kilometer zusammenkommen und die – wenn ich das vorwegnehmen darf – sehr schön war. Da wir bereits am Vortag in der Gegend einen kostenlosen Parkplatz fanden, parkten wir kurzerhand wieder am Museum für Fotografie in der Museumstraße. 

Partei an der Oker

Partei an der Oker

Von dort aus geht es über die Steintorbrücke zum Steintorwall. Das deutet für historisch Interessierte daraufhin, dass sich hier einst die Verteidigungsanlagen der Stadt befanden. Um es gleich vorwegzunehmen, sind wir nicht vielen Resten der mittelalterlichen Wall- und Befestigungsanlagen begegnet. Im Gegensatz zu anderen Städten, wie Hildesheim oder Duderstadt, ist in Braunschweig das Meiste im Laufe der Jahrhunderte abgetragen worden. Gerade bei einer einflussreichen Residenzstadt wie Braunschweig ist das auch nicht weiter verwunderlich. Die Herrscher, aber auch die einfachen Menschen, wollten irgendwann dem „Mief des Mittelalters“ entfliehen und sie konnten es auch. Der Zweite Weltkrieg zerstörte dann noch etliches an historischer Bebauung. Heute wirbt Braunschweig mit fünf Traditionsinseln, an denen man noch teilweise dem Charme früherer Zeiten begegnen kann. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Platz am Löwenwall mit seinem unübersehbaren Obelisken. Dieser Platz entstand ab 1800 im Rahmen der Gestaltung des Wallrings auf dem Gelände einer früheren Bastion. Sieht man sich den Verlauf der geteilten Oker um die Innenstadt an, erkennt man, dass der Fluss nicht rund um die Stadt verläuft, sondern dass in regelmäßigen Abständen Ausbuchtungen oder Spitzen zu sehen sind. Dort standen früher Bastionen der Stadtverteidigung. Viele größere Orte hatten solche Verteidigungsanlagen, die in Zeiten der sich entwickelnden Artillerie entstanden. Erst letztens besuchten wir mit der Zitadelle Petersberg in Erfurt eine gewaltige Anlage dieser Art, wenngleich sie eine Sonderstellung einnimmt. Trotzdem kann man dort die Bastionskunst sehr gut live erleben.

Wir gehen das erste Mal ans Ufer der Oker. Am anderen Ufer stehen schöne, alte Häuser, die davon zeugen, worauf früher wie auch heute Wert gelegt wurde in Deutschland. Am Ende des Löwenwalls findet sich ein kleines Überbleibsel der ehemals gewaltigen Verteidigungsanlagen. Wir unterqueren eine breite Brücke, unter der sich der Anleger der Okertouren befindet. Hier kann man Boote oder Flöße mieten, an geführten Thementouren teilnehmen oder andere Flusserlebnisse buchen. Spannende Sache! Wir „erklimmen“ jetzt den winzigen Windmühlenberg, der sich ebenfalls auf dem Gelände einer ehemaligen Bastion befinden muss, von der nichts mehr erkennbar ist. Auch von einer eventuell existierenden Mühle ist nichts zu sehen. Stattdessen findet sich auf der kleinen Grünfläche ein Hinweisschild, dass hier die schützenswerte Große Weidensandbiene nistet. Es geht über die Augusttorbrücke, in deren Umfeld sich einige interessante historische Gebäude befinden, unter anderem die Villa Rimpau. Ein wenig wursteln wir uns durch die Bebauung und erreichen schließlich den Bürgerpark. Hier kann man die Runde nach Belieben noch weiter nach Süden ausdehnen. Wir machen hier nur einen kleinen Abstecher, gehen über die Hennebergbrücke und kommen, vorbei am Alten Wasserturm und dem Steigenberger Parkhotel zum Kiryat-Tivon-Park, der einst Rönckendorffscher Garten hieß. Es geht mitten durch den kleinen Park und dann über die Soussebrücke zur Volkswagenhalle.

Häuser an der Michaeliskirche

Häuser an der Michaeliskirche

Unter der Konrad-Adenauer-Brücke hindurch gelangen wir auf das Gelände des alten Braunschweiger Bahnhofs. Das ursprüngliche Empfangsgebäude entstand 1838, wurde aber bereits 1843 wegen vermehrten Verkehrsaufkommens abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dieser wurde 1945 bis auf wenige Reste zerstört. Als 1960 der neue Hauptbahnhof an anderer Stelle errichtet wurde, wurde der alte Bahnhof wieder aufgebaut als Hauptgebäude der Braunschweigischen Landessparkasse. Für uns geht es auf einem kleinen Weg an der Oker weiter. Der „Bogen der Erinnerung“, der die Oker überspannt, ist ein Überbleibsel eines Kunstprojekts anlässlich der Expo 2000 in Hannover. Wir überqueren den Opernplatz und finden am Neustadtmühlengraben einen Überrest der Stadtmauer. Über die kleine Grünfläche und die Prinzenwegbrücke geht es in eines der Traditionsviertel Braunschweigs rund um die Michaeliskirche. Das ist ein wirklich schönes Ensemble, wenngleich hinter der vollkommen eingebauten Michaeliskirche auch schon Schluss ist. Der Rest der Echternstraße präsentiert sich dann eher in schlichter Nachkriegs-Tristesse. An der belebten Sonnenstraße steht der „Elster Flohmarkt“, der ebenfalls Teil des Expo-Projektes war. Ein kleiner Abstecher führt uns zum Wilhelmitorwall, zur Pawelstraße, zur Hohetorbrücke und zur Straße am Hohen Tore, bevor wir einen kleinen, aber feinen Park am Hohetorwall erreichen, an dem sich des Öfteren etliche Gänse tummeln. Entlang der folgenden Straße Petritorwall kommen wir zur Rosentalbrücke und am Inselwall zur Petriwehrbrücke. Kaum zu erahnen, wie das hier früher ausgesehen haben muss.

Nett hier und rund um Löbbeckes Villa, Löbbeckes Garten und Löbbeckes Insel bleibt es auch so. Einst wohl eher eine private Grünfläche eines Braunschweiger Bankiers, tummeln sich hier heute viele Stadtmenschen auf der Suche nach Erholung und ihre Kinder auf der Suche nach dem großen Abenteuer. Dass jemand wirklich fündig wird, darf angezweifelt werden. Es geht hinüber zum Gaußberg mit dem Gauß-Denkmal. Hier wird einem der größten Braunschweiger Söhne gedacht. Der geniale Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker war neben vielen anderen Leistungen unter anderem für die Landesvermessung des Königreichs Hannover verantwortlich. Vorbei an den beiden alten Zollhäusern an der Wendentorbrücke kommen wir zum Gelände der Technischen Uni Braunschweig. Dazu Goethe:

… Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum oben auf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

Im Theaterpark

Im Theaterpark

Das Gelände der Universität bietet bestimmt auch das ein oder andere interessante. Am Studentenhaus verlassen wir das Gelände und mauscheln uns über die Pockelsbrücke und die folgende Bebauung zum Hiroshima-Ufer, wo wir wieder auf die Oker treffen. Hier beginnt der letzte Abschnitt des Tages. Es geht, wie auch immer, durch den Theaterpark am Theater und durch den Museumspark am Museum. Auf der anderen Seite der Oker findet sich immer wieder schöne Bebauung. Hier kann man hin und herlaufen und auch noch einen Abstecher in die Innenstadt, zum Schloss oder ins Magniviertel machen, bevor man den Ausgangspunkt an der Helmstedter Straße erreicht.

Am Ende eines Tages...

Vieles gäbe es noch zu berichten über und von der einst bedeutenden Residenzstadt Heinrichs des Löwen. Aber jeder darf und sollte sich selbst mit den Aspekten einer Stadt wie Braunschweig beschäftigen, die ihn interessieren. Natürlich ist das heute auch keine Wanderung im eigentlichen Sinn gewesen, es war aber auch kein gewöhnlicher Stadtrundgang – ergo eine Stadtwanderung. Da wir Natur und Kultur immer gerne verbinden, haben wir es uns angewöhnt, Städte immer mehr auf diese Art und Weise zu erkunden. Das war dafür auch sehr schön und spannend in Braunschweig. Ich glaube, dass wir später im Jahr 2023 noch Duderstadt einen Besuch auf diese Art und Weise abgestattet haben. Mal sehen, wie weit ich noch komme in nächster Zeit.

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