Nach der ersten Tour im Salzgitter Höhenzug zwischen Baddeckenstedt und Lichtenberg geht es heute zum zweiten Abschnitt zwischen Lichtenberg und Gebhardshagen. Die von mir hier eingestellten Touren sind von den Wegen her natürlich nicht vollkommen alternativlos, sondern stellen nur die für uns persönlich „schönsten“ Wege eines Abschnitts dar. Jeder kann natürlich nach Belieben und eigenen Vorlieben verkürzen, verlängern und verändern. Heute zum Beispiel fehlt leider das Gelände des ehemaligen Tagebaus Haverlahwiese, das sich nicht sinnvoll einbinden lässt, ohne den schönen Höhenweg in weiten Teilen wegzulassen. Aber ich kann versprechen, dass der Salzgitter Höhenzug, nahezu egal wo man geht, immer etwas Spannendes und Interessantes bereithält. Es gibt/gab eine entsprechende Karte „Wanderbares Salzgitter“, wobei ich nicht genau weiß, ob und wie man sie noch bekommen kann. Ich verlinke hier mal eine von einem Mitglied des Harzklubs Salzgitter erstellte Google Maps-Übertragung: Wanderbares Salzgitter. Prädestiniert ist (nicht nur) diese Gegend für den Frühling, wenn zahlreiche Frühblüher den Waldboden immer wieder flächendeckend überziehen. Das gesamte Repertoire ist erlebbar und es gibt Massenbestände vieler Arten. Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es das Leberblümchen, das ich als „Charakterpflanze“ des Höhenzuges nennen würde. In unseren Breiten findet man das „blaue Wunder“ eher selten in großer Anzahl, hier in der Gegend ist es keine Seltenheit und ist zumindest im nördlichen Teil des Salzgitter Höhenzuges weit verbreitet.

Bärlauch am Herzberg
Los geht es heute auf dem netten und ruhigen Parkplatz an der Waldsiedlung am Hasselberg. Als wir hier die Tage starteten, waren wir noch die ersten. Als wir zurückkamen, standen die Autos auch an der Straße an der Siedlung und weiter. Auf der Wanderung sind wir aber nur wenigen Menschen begegnet, so dass man von vielen Spaziergängern (mit und ohne Hund) ausgehen kann, was ja durchaus für die Qualität der Gegend spricht. Die kleine Siedlung am Hasselberg ist schon an sich irgendwie spannend und befindet sich am Rande des Waldes und am Rande des ehemaligen Steinbruchs Salzgitter-Salder. Im Zusammenhang damit mag sie auch entstanden sein. Der durchaus bemerkenswerte Kalk-Steinbruch ist nur im Rahmen von Führungen zu betreten! Vom Parkplatz gehen wir durch den Wald des Hasselberges zur Hölle, wobei man zur rechten Zeit an einigen Stellen an den Hängen linker Hand schon einige große Bestände des Leberblümchens entdecken darf. Am Abzweig zum Himmelreichsberg hat man einen kleinen Ausblick zum Stahlwerk Salzgitter, den wir noch des Öfteren genießen dürfen. Wir gehen hinauf und nehmen dann als Abstecher den schmalen Pfad bergab, der uns an den Rand von Gebhardshagen führt. Hier sind die Frühblüher schon etwas zahlreicher vertreten, auch der erste Bärlauch lugt aus dem Waldboden. An der Straße „Lauenhagen“ werfen wir einen Blick in den Ort und verlassen dann für den Rest des Tages „städtisches Terrain“. Es geht hinauf zur Kappe, an der man die Tour auf dem wunderbaren Höhenweg abkürzen könnte.
Steil geht es hinab in ein weites Bachtal, an dessen Ufern massenhaft bäriger Lauch wächst. Ein kleiner Teich daneben könnte möglicherweise einer der hier anscheinend gar nicht allzu seltenen Erdfälle sein. An den Hängen des nun folgenden Herzberges dominiert und herrscht uneingeschränkt der „nordische Knoblauch“, an dem sich das Auge in einem sonst noch recht farblosen Wald kaum sattsehen kann. Dann geht hinauf zum Höhenweg des Salzgitter Höhenzuges, der aber keinen einheitlichen Kammweg wie andernorts darstellt, sondern halt meistens nur der höchstgelegene Weg ist. Den typischen Kammweg-Charakter hat er trotzdem vielerorts. Man mag es kaum noch erwähnen, aber auch hier ist es der Bärlauch, der im noch recht spärlich bewachsenen Frühlingswald für die stärksten Kontraste sorgt. Allerdings beginnt hier auch das massenhafte Auftreten des Leberblümchens, das seinesgleichen abseits dieser Gegend sucht. Auf all die anderen Vertreter des Frühlings, wie Aronstab, Buschwindröschen, Wald-Bingelkraut, Gelbes Windröschen, Echter Seidelbast, Lerchensporn, Scharbockskraut, Goldstern, Veilchen, Lungenkraut und mehr muss man ebenfalls nicht verzichten. Die Aussicht am Adlerhorst ist zugewachsen, der Weg ist hier trotzdem sehr schön. Etwas ungemütlicher wird es dann auf dem langen Stück zu unserem Abzweig am Kalkrosenberg. Hier ist der schmale Pfad vor einigen Jahren wohl durch Harvester-Arbeiten verbreitert worden und hat sich bisher nicht davon erholen können. Schlimm ist dieser Abschnitt nicht, aber auch ein Stück weit entfernt von komplett chillig und total wanderbar.
Der Salzgitter Höhenzug
Der Salzgitter Höhenzug
Ein kleiner Appetizer für Wanderer und alle anderen, die den Raum Salzgitter bisher gemieden haben: Wenn man Salzgitter nur vom Hörensagen kennt, würde man wohl nicht vermuten, das es hier ein durchaus sehr wanderbares Waldgebiet gibt. Wenn man bedenkt, das der Höhenzug, der sich ungefähr von Baddeckenstedt bis kurz vor Goslar erstreckt, einst in weiten Teilen bergbaulich genutzt wurde, würde man wohl nicht vermuten, das die Natur sich diese Gebiete aufs Feinste zurückerobert hat und die ehemaligen Orte des Bergbaus zu den schönsten Bestandteilen dieser Landschaft gehören. Da wären zum Beispiel die Finkenkuhle und der Reihersee als erstaunlich schöne Gewässer, die Haverlahwiese als ehemals größter Tagebau und größte Eisenerzgrube Deutschlands, das Gelände der Grube Fortuna oder der Schroederstollen, um nur einige zu nennen. Im Frühling ist hier auch botanisch richtig was los und es gibt diverse Orte, die nicht so stark vom Bergbau geprägt sind, aber trotzdem überregional bekannt sind oder es sein sollten, wie zum Beispiel die Burgruine Lichtenberg (Burg Heinrich des Löwen), Ort und Schloss Liebenburg oder die wunderbaren Schutzgebiete der „Natur- und Umwelthilfe Goslar“. Es gibt noch viel mehr zu entdecken in und um eine Stadt, die immer noch für ihren Stahl bekannt und berühmt ist, die aber abseits davon vor Erlebenswertem nur so strotzt. Ein eigener Beitrag dazu ist auf jeden Fall schon einmal in Vorplanung und wird irgendwann hoffentlich zur „Heiligen Pflicht“.
Am Ende des Weges wird es wieder freundlich und an einem Rastplatz mit einigen Baumveteranen erwarten uns auch mehrere Tafeln mit weitestgehend geologischen Informationen. Von hier aus hat man auch noch einen netten Durchblick nach Salzgitter-Bruchmachtersen. Dann geht es hinab durch die Feldmark zur Oberen Sukopsmühle. Trotz Asphalt und Stadt im Hintergrund ist das ein interessanter Weg mit Wagenrad-Bank und einer Quelle im Feld. Kurz vor dem Erreichen des Teichgebiets der Mühle blüht zur richtigen Zeit die Rote Pestwurz im Wassergraben. An der Brücke über den Mühlgraben erwartet den Erstbesucher ein erstaunlicher Fleck Erde, der hier so nicht zu erwarten ist. Wir sind jedes Mal aufs Neue überrascht. Idyllisch schlängelt sich der Mühlgraben eine kurze Strecke durch einen Wald, der sich im Frühjahr äußerst bunt präsentiert. Hier wächst unter anderem Lerchensporn, Scharbockskraut, Goldstern, Lungenkraut und der Waldboden ist teils flächendeckend mit Efeu überzogen. Wie aus der Zeit gefallen wirkt dieser Ort.

Schöner Heckenweg
Ob man auf dem kleinen Pfad am Bach bis zur (ehemaligen) Mühle gelangt, kann ich nicht sagen. Dieses Mal wollte ich es probieren, aber nach hundert Metern war der Weg nach den Regenfällen der letzten Wochen überflutet. Östlich der Mühle befinden sich renaturierte, kleinere Steinbrüche, die mittlerweile nahezu vollkommen bewaldet sind. Man kann ein Stück durch das kleine, aber sehr feine Waldstück nach oben steigen und hat von dort eine schöne Aussicht über die Sukopsmühle in die Ortsteile Salzgitters und auch das Stahlwerk ist in größerer Entfernung auszumachen. Der von mir getrackte Weg zurück auf den weiteren Weg war bei unserem Besuch nahezu ungangbar, so dass man eventuell eher zur Brücke zurückgehen sollte, um dort auf den Weg zum Hasselberg einzusteigen. Der führt zwischen den Feldern und den ehemaligen Steinbrüchen entlang, die von dieser Seite aus nahezu unzugänglich sind. Es geht durch eine freundliche Strauch- und Heckenlandschaft, ab und zu erhascht man einen Blick auf ein Stück Trocken- oder Magerrasen in den ehemaligen Steinbrüchen. Am Ende geleitet uns dann Strommasten auf unseren letzten Metern zurück zur Waldsiedlung Hasselberg mit seinen frei laufenden Hühnern und schließlich wieder zu unserem Parkplatz im Wald.
Am Ende eines Tages...
Was soll man sagen? Alles ist wohl bestellt im wanderbaren Höhenzug bei Salzgitter. Hier und da muss man dies und das hinnehmen, an einem der ersten warmen und sonnigen Frühlingstage bei guter Stimmung fallen solche kleinen Nichtigkeiten aber noch weniger ins Gewicht. Landschaft, Wege, Botanik, Geologie, Geschichte – die Wanderung hat, wie eigentlich alle im Salzgitter Höhenzug, bei Interesse viel zu bieten. Da man auf dieser Wanderung ziemlich häufig das Stahlwerk erblickt, sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass man dort an einer Führung während des laufenden Betriebes teilnehmen kann. Das ist nicht gerade billig, aber durchaus „preiswert“, da man eigentlich nur den Bus bezahlt, mit dem man zu den einzelnen Betriebsstätten auf dem ziemlich weitläufigen Gelände gefahren wird. Es lohnt sich aber auf jeden Fall und selbst die meisten, die meinten, kein großes Interesse an so etwas zu haben, werden ihre Meinung wohl geändert haben. Momentan sind wegen der Corona-„Krise“ alle Führungen bis Ende Juni abgesagt, aber dann kann man den Betrieb in einem der modernsten Hüttenwerke Europas hoffentlich wieder aus nächster Nähe erleben. Ob nun harter Stahl oder weicher Waldboden, ich wünsche viel Spaß im wanderbaren Raum Salzgitter…