
Start am Friedhof Reckershausen
Märzenbecher – da war doch was. Ja, natürlich, der Schweineberg und selbstverständlich der Elber Berg. Aber da war doch noch was. Ach ja, der Kleine Mönchsbusch. Den habe ich mit dem spannenden Einzelberg kombiniert, an dem wir schon etliche Male vorbeifuhren und den wir lange schon besuchen wollten. Gesagt, getan. Leider sind aufgrund des Festplatten-Chaos der letzten Wochen nur wenige Bilder übriggeblieben, aber einstellen wollte ich den Beitrag trotzdem. Der schöne Weg zwischen Reckershausen und dem Einzelberg fehlt, vom Berg selbst und den Wegen danach sind ebenfalls viele Bilder weg. Aber ihr könnt versichert sein, dass ich den Beitrag nicht hier reingesetzt hätte, wenn die Runde nicht wanderbar gewesen wäre. Es wird ein kurzer Beitrag werden, auch aufgrund der fehlenden Bilder und der damit verbundenen fehlenden Erinnerung. Zur Vorbereitung: Oft puzzle ich zuerst einen Weg aus und hinterher mache ich mir Gedanken, wo man am besten, also am schönsten und ruhigsten, parken kann. So auch hier. Nicht zum ersten Mal war es wieder ein Friedhof etwas außerhalb des Ortes, der uns am günstigsten erschien und es letztendlich auch war. Vom Friedhof Reckershausen hat man auch einen schönen Blick über den Ort und die umgebende Landschaft, das Leinetal im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und Thüringen. Von hier aus geht es erst einmal durch den kleinen und hübschen Ort, der mit dem Marshall Amp Museum und seinem Kern mit Wehrkirche schon was zu bieten hat. Die Kirche wurde im 15. Jahrhundert als Anbau an einen Wartturm der südlichsten Befestigungslinie der Stadt Göttingen errichtet. Am Museum kamen wir nicht vorbei und an der Wehrkirche wurde gerade gebuddelt, sodass wir davon keine Aufnahmen machen konnten. Am Ende des Ortes angekommen, fanden wir einen hübschen Rastplatz, an dem ein kleiner Pfad direkt in den angrenzenden Wald führt. Da haben wir dann unsere ursprüngliche Route gleich geändert.
Der schmale Pfad führt durch einen schönen Wald, der im Frühling durch zahlreiche Frühblüher, wie das Leberblümchen, zu begeistern weiß. Eine eingezeichnete Schutzhütte existierte nicht mehr und der Weg war an einer Stelle etwas zugewachsen, aber das ändert nichts an der Wanderbarkeit. Am Ende des Weges geht es nach links hinunter entlang einer Wiese mit netten Ausblicken ins Leinetal. Danach erreichen wir einen von zwei ehemaligen Kalksteinbrüchen. Ein kleines, aber umso feineres Gelände, in dem man später im Frühling und im Sommer bestimmt einiges Interessantes in Sachen Flora und Fauna bestaunen kann. Positive Überraschungen lieben wir ja über alles und der Beginn des Weges hatte da schon etwas zu bieten. Wir treten aus dem Wald und kommen zu einer für eine erste Frühstückspause prädestinierten Bank mit Aussicht. Dann geht es weiter am Waldrand, an dem ein Stück der am Anfang bereits erwähnten, alten Landwehr erhalten geblieben ist. Von diesem Abschnitt bis in die Feldmark am Einzelberg habe ich kaum eine Erinnerung, aber ich gehe davon aus, dass es ein netter Weg war. Wer möchte, kann an der Bank auch den Weg in den Wald wählen und das Südliche Meridianzeichen besuchen. Dieses wurde auf Veranlassung des Mathematikers, Astronomen und Geodäten Carl Friedrich Gauß errichtet, der eine Vermessung des Königreichs Hannover durchführte. Wir gehen am Waldrand weiter und erreichen die Feldmark am Einzelberg. Schon von hier ist er eine außergewöhnliche Erscheinung. Ein markanter Hügel im recht flachen Land, dessen baumbestandene Kuppe wie mit dem Lineal gezogen aussieht. Noch paar hundert Meter geht es weiter durch die Feldmark, dann haben wir den außergewöhnlichen Einzelberg erreicht. Nebenbei ein kurzer Gruß an Groß Schneen, das dieses Jahr zwar nicht seinen 1000-jährigen Geburtstag feiert, aber die 1000-jährige urkundliche Erwähnung. Besiedelt war die Umgebung natürlich wie fast überall schon viel länger. Im Rahmen des Geburtstages wird es etliche Aktivitäten geben, zentrales „Dorffest“ wird wie jedes Jahr seit langem die Groß Schneer Kirmes am zweiten Septemberwochenende sein.

Blick zurück zum Einzelberg
Kleiner Exkurs: Bei der Recherche fand ich nebenbei heraus, dass es in Groß Schneen ein Neubaugebiet für Kinderlose gibt oder geben soll/wird. Wir sind zwar selbst kinderlos und weit davon entfernt, uns ein Haus leisten zu können, aber irgendwie klang das erst einmal ziemlich seltsam. Es stellte sich dann heraus, dass Kommunen, die Baugrundstücke ausweisen, diese wohl mittlerweile oft nach einem festgelegten Punktesystem vergeben und (einheimische) Familien mit Kindern dabei meistens bevorzugt werden. Wahnsinn, was wir Menschen uns so alles einfallen lassen, um alles bis ins kleinste Detail zu reglementieren. Abfällig darüber auslassen will ich mich aber nicht, da ich mich nicht tiefergehend damit beschäftigen wollte. Diese Welt und dieses Land haben momentan andere Probleme, die von viel mehr Menschen in Angriff genommen werden müssten. Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung zum Beispiel.
Der Einzelberg ist auf jeden Fall einen Besuch wert und versüßt auch eine Wanderung in der Gegend. Ein auffälliger Keuperkopf im von Kalksandstein und Buntsandstein geprägten Leinetal. Die Quellen im Netz sind recht spärlich, aber ich gehe davon aus, dass der Einzelberg sein heutiges Aussehen durch Jahrhunderte andauernde Beweidung und durch die Gestaltung in den Jahren von 1830 bis 1840 erlangte. Ernst Collmann vom Amt Friedland ließ den Berg in dieser Zeit massiv umgestalten. Die bewaldete Kuppe wird seitdem von verschiedenen Baumarten besiedelt, unter anderem Buchen, Eichen, Kirschen, Flieder und Wildbirnen. Auf den Trockenrasenhängen wachsen Wacholdersträucher, zahlreiche Wiesenpilze und Orchideen, wie die Fliegen- und Bienenragwurz. Für müde Wanderer bietet der Berg zahlreiche Sitzgelegenheiten. Ebenso gibt es eine Schutzhütte und in den Berg führende Grotten. Leider sind die Fotos von den Infotafeln am Berg weg, sodass weitere Informationen leider fehlen. Da kann sich dann jeder vor Ort ein Bild von diesem wirklich schönen Fleckchen Erde machen. Nachdem wir ausreichend gesessen, genossen und gestöbert haben, geht es weiter. Durch ein Holztor verlassen wir den Einzelberg und streben durch die Feldmark in die grobe Richtung Plesse, Bocksbühl und Fritzeberg, wobei wir alle drei heute nicht erreichen werden. Wer will, kann hier natürlich die Runde bestens verlängern. Vielleicht machen wir das beim nächsten Mal auch. Der Große und Kleine Bocksbühl erwecken aus der Ferne oft den falschen Eindruck, es handele sich um die weithin bekannten Gleichen, die eine Landmarke des Göttinger Landes darstellen und über die ich demnächst auch einen Beitrag einstellen werde. Vom Gipfel des Bocksbühl hat man dann allerdings einen Ausblick auf die echten Gleichen. Ebenso soll es in diesen Wäldern noch nette Wege und interessante Orte geben. Kommt Zeit, kommt Rat.

Pfad im Kleinen Mönchsbusch
Wir wandern also heute „nur“ ein wenig ins Schneener Holz, ohne die Gipfel der genannten Berge zu erreichen. Das ist ein langer und stetiger Anstieg auf einem ziemlich barrierefreien Weg. So ein Weg könnte langweilig werden, wenn da nicht der freundliche Wald wäre und die ebenso freundlich auf uns wartenden Frühblüher. Wir verlassen den Schneener Wald schließlich am Pappenrott. Hier oben ergeben sich immer wieder schöne Aussichten in die Umgebung von Reiffenhausen. Ein schöner Grasweg am Wald- und Feldrand führt uns entlang der sogenannten Seewiesen. Sogar einmal ausgeschildert geht es dann in der Feldmark unterhalb des Steinkopfs weiter und noch einmal ein Stück durch den Wald. Über eine weitere Freifläche wandern wir dann mit Aussicht auf Reiffenhausen hinüber zum Kleinen Mönchsbusch. Auf der Höhe des Berges angekommen, zweigt wie für uns gemacht ein schmaler Pfad ab, den wir nehmen und der uns zu den Märzenbechern führt. Am nördlichen Hang des Kleinen Mönchsbuschs wachsen zahlreiche Exemplare der wunderschönen Frühlings-Knotenblume zusammen mit einigen anderen Frühblühern. Auch der Seidelbast war hier zu finden. Leider sind wenige Fotos übriggeblieben. Am Ende kann man auf einem nicht auf der OpenStreetMap verzeichneten Waldweg oder auf einem Wiesenweg zurückkehren. Am Waldrand wartet noch eine schöne Aussichtsbank in der Sonne, auf der man die Wanderung langsam Revue passieren lassen kann, bevor man sich auf den abschließenden Abgang macht. Noch einmal geht es auf einem wanderbaren Weg aussichtsreich durch diese freundliche Landschaft, bevor wir dann unseren Ausgangspunkt am Friedhof von Reckershausen erreichen.
Am Ende eines Tages...
Jau! Das war eine schöne Frühlingswanderung im immer wieder schönen Göttinger Land. Hier gibt es vieles, das wir kennen und noch viel mehr, das wir nicht kennen und vielleicht nie kennenlernen werden. Wer sich an „Kleinigkeiten“ erfreuen kann und die Flora und Fauna unserer Heimat schätzt und liebt, der wird fast immer und fast überall etwas finden, das sein Herz berührt, höher schlagen lässt oder beruhigt. Deutschland ist kein Naturparadies, sondern eine fast durchgehend vom Menschen und seinem manchmal rätselhaften Sinn gestaltete Kulturlandschaft – und doch liebenswert. Bis zum nächsten Mal auf den unergründlichen Wegen des Lebens.
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