Seit Jahren schon fiel mir beim Planen von Touren immer mal wieder die Gegend bei Hunnesrück ins Auge. Jetzt, nach zehn Jahren, inspiriert durch die neu ausgewiesene Tour der Initiative „Wilde Heimat“, sollte es sein. Wir starteten im schneefreien, recht milden Hildesheim und staunten nicht schlecht, als wir dann im Leine-Weserbergland auf winterliche Verhältnisse stießen. Da wir schon mal da waren, die Wanderfüße kribbelten und der Da5 – Grafenstieg recht kurz ist, gingen wir los. Eine geplante Verlängerung über den schönen Bierberg bei Dassel ließen wir wegen der Witterung aus. Starten soll man offiziell am Freibad in Dassel, wir entschieden uns (wieder) für den wesentlich schöneren Parkplatz am Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück bzw. am Gasthaus „Im Kühlen Grunde“, das bei unserem Besuch Winterpause hatte. Am großzügigen Parkplatz waren auch keine Hinweise angebracht bezüglich irgendwelcher Einschränkungen hinsichtlich des Parkens. Das Gasthaus mit Außenbereich sieht sehr urig und einladend aus. Einen Blick in das Gestüt kann man wohl auch werfen, was wir uns an diesem kalten Tag sparten. Stattdessen setzten wir uns recht geschwind in Bewegung. Nach wenigen Metern erreichen wir die ersten beiden von mehreren Teichen und in der Regel sollten sich auf den Wiesen auch die ersten, aber beileibe nicht letzten Pferde des Tages tummeln. Die kümmern sich meistens nicht um „dahergelaufene“ Wanderer, sondern gehen ihren eigenen Geschäften nach. Mit etwas Glück hat man aber vielleicht die ein oder andere nähere Begegnung mit den schönen Vierbeinern.

Wegkreuz nahe der Burgruine

Wegkreuz nahe der Burgruine

Am Waldrand befindet sich der Eselsteich, den wir heute nicht erreichen. Sein Name soll darauf zurückzuführen sein, dass die Burg Hunnesrück keinen Brunnen besaß und die Wasserversorgung aus diesem Teich per Transport durch Esel erfolgte. Wir biegen rechts ab zum Waldrand und gehen im Wald die Amtsbergstraße hinauf, die darauf hindeutet, dass wir uns in den Amtsbergen befinden. Im Winter gibt es wenig zu sehen, sodass wir alsbald die Kreuzung erreichen, an der wir schon zur Burgruine Hunnesrück abbiegen. Der folgende Pfad war im Schnee kaum zu erkennen. Normalerweise lieben wir diese Wege beziehungsweise Pfade im Wald. An den Gräben des ehemaligen Burgbezirks wurde es dann allerdings etwas haarig und an einer saftigen Arschbombe in den Schnee kam ich dieses Mal nicht vorbei. Na ja, zumindest ist man dann etwas wacher und aufmerksamer. Von der ehemals stolzen Burg, die sich über ein Areal von 180 mal 90 Metern erstreckte, ist oberirdisch so gut wie nichts erhalten. Sie wurde wohl als Steinbruch, unter anderem für die Hunnesrück vorgelagerte Erichsburg genutzt. Die 65 mal 40 Meter große Hauptburg enthielt jedenfalls alles, was eine Höhenburg so vorzuweisen hatte, unter anderem einen Palas, eine Burgkapelle und zwei Türme, von denen einer als Bergfried diente. Sollten wir es lebend durch das Grabensystem der Burg geschafft haben, geht es am Südende der Amtsberge auf einem Höhenweg weiter.

Es geht vorbei an einem großen Wegekreuz, auf dem sich die Jahreszahl 1775 entziffern ließ, dann geht es hinab in Richtung Dassel. Ein schöner Weg, der uns schließlich an den Waldrand leitet, wo wir die ersten Aussichten in die Umgebung genießen dürfen. Im Vordergrund einige Höfe, dahinter Dassel und am Horizont dürfte der Solling zu sehen sein, der bei unserem Besuch allerdings weitestgehend in tief hängenden Wolken lag. Wir gehen nicht ganz hinunter bis zur Straße, sondern wenden uns von Dassel ab. Wer in einer gefälligeren Jahreszeit hier wandert, kann gerne einen Abstecher über den schönen Bierberg einlegen, dessen Wegenetz leider unterbrochen ist. Für uns geht es kurz flach, dann wenden wir uns hinauf zum Waldrand des Rothenberges. Hier sind wieder Pferdeweiden und selbst bei Eis und Schnee tummelten sich zahlreiche Pferde hier oben. Am Standort des bedauerlicherweise nicht mehr existenten Bolchenbaumes beziehungsweise der Verlobungslinde steht noch einmal eine Tafel der Wilden Heimat und ein Rastplatz lädt zur letzten Pause ein. Vom folgenden Waldrandweg hat man schöne Aussichten in Richtung Einbeck, das uns an die Wanderung bei Kuventhal erinnerte. Dann geht es die letzten Meter hinab nach Hunnesrück, wo wir die kurze Runde an unserem Ausgangspunkt beenden.

Niedersächsisches Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück

Niedersächsisches Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück

Die Domäne Hunnesrück entstand wohl in Zusammenhang mit der Burg Hunnesrück, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Dassel errichtet wurde und erstmals 1310 urkundliche Erwähnung findet. Die Domäne diente unter anderem den Bischöfen von Hildesheim als Sommerresidenz. 1867 wurde sie als Remontedepot dem preußischen Kriegsministerium unterstellt. Bis zu 500 Pferde waren in Hunnesrück, Erichsburg und Relliehausen untergebracht und wurden auf ihre spätere militärische Ausbildung vorbereitet. 1919 wurde das Remontedepot aufgelöst und 1920 ein Hengstaufzuchtgestüt eingerichtet, das bis heute mit dem Niedersächsischen Landgestüt in Celle verbunden ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ungefähr 50 Trakehnerstuten in einer Stutenherde in Hunnesrück zusammengeführt, die 1982 wieder aufgelöst wurde. Heute werden hier noch Hannoveraner für das Landgestüt Celle und für private Kunden aufgezogen.

Am Ende eines Tages...

Eine nette, kleine Runde der „Wilden Heimat“ durch ein kulturhistorisch durchaus interessante Gegend. Rundum liegen ebenfalls spannende Wandergegenden, wie der Heukenberg und der Holzberg, der Ellenser Wald oder die Landschaft zwischen Lüthorst und Avendshausen, die wir vor über zehn Jahren erwandert haben und die auch mal wieder erkundet werden will. Ich erinnere mich, dass es damals im Sommer so warm war, dass ich, bestimmt zur Belustigung einiger Zeitgenossen, das erste Mal mit Badeshorts wandern war. Mittlerweile gehe ich jeden Sommer so durch die Gegend, Belustigung hin und her. Die Zeiten, in denen wir als „Materialspieler“ wandern waren, sind lange vorbei. Image ist bekanntlich nichts, Spaß und Freude hingegen alles. Immer eine Handbreit festen Boden unter den Füßen, Leute…

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