
Baggersee Brelingen (2012)
Was habe ich mich damals gesträubt, als meine Freundin den Geo-Erlebnispfad Bewegte Steine am Brelinger Berg für uns entdeckte. Wandern nördlich von Hannover und nicht am Wilseder Berg? Undenkbar! Nein, ist natürlich übertrieben. Es gibt auch im Norden Niedersachsens jede Menge tolle Flecken zum Wandern, wir haben sie nur nicht in unser übliches Beuteschema aufgenommen. Wir waren zum Beispiel früher am Steinhuder Meer, im Pietzmoor oder in der wunderbaren Fischbeker Heide vor den Toren Hamburgs. Aber Brelingen konnte mich auf dem Papier erstmal weniger begeistern. Irgendwann gingen mir die Argumente aus und wir fuhren hin und hinterher musste ich wieder mal einen Fehler meinerseits eingestehen. Die von uns gegangene Route war zwar kein Oberknaller, aber wir hatten einen schönen, ruhigen, entspannten, aber auch spannenden Wandertag erlebt. Die kurze Geo-Route hatten wir etwas verlängert, wobei ich darauf achtete, möglichst viele Stationen des Weges mitzunehmen. Dieses Mal veränderten wir den Weg noch einmal ein bisschen, sodass wir, wenn ich richtig mitgezählt habe, von den insgesamt elf Stationen sieben erlebten. Dafür wanderten wir dieses Mal auf erstaunlich schönen Pfaden in den Brelinger Bergen. Die kleine Runde rechtfertigt vielleicht keine stundenlange Anreise, kann aber trotz der Kürze etliche natürliche und kulturelle Erlebnisse vorweisen. Los geht es am ehemaligen, renaturierten Baggersee/Kiesteich am nördlichen Ortsrand von Brelingen. Hier gibt es eigentlich ausreichend Parkgelegenheiten.
Ein Schild weist gleich darauf hin, dass der See/Teich Teil eines Baggerseeprojekts des Anglerverbandes Niedersachsen ist und hier den Lebensraum verbessernde Maßnahmen stattfinden oder stattgefunden haben. Der Weg um den See, mit dem wir die Route beginnen, ist auf jeden Fall ein guter Start in den Tag. Anfang März ist ja nicht viel los und wir hatten auch noch kühles und weitestgehend muckliges Wetter, aber ließen uns die Laune nicht trüben. Nach dem relativ langen Winter sind wir überhaupt froh, dass es endlich wieder losgehen kann. Auf und im Teich tummeln sich im Laufe des Jahres wohl zahlreiche Wasserbewohner. Danach geht es auf freundlichen Wegen am Waldrand entlang und auch wieder in den Wald, bis wir ein aufgelassenes Abbaugelände erreichen. Da wir noch einigen davon begegnen, war ich einfach zu faul zu recherchieren, ob es sich im Einzelnen um eine Kies- und/oder Sandgrube handelte. Unser geologisches Interesse hält sich nach vielen Jahren des Wanderns immer noch sehr in Grenzen. Sandig und nett ist es hier auf jeden Fall, eine Station des Geopfades und eine Bank sind auch vorhanden. Nach einer kurzen Rast geht es am Waldrand weiter und an einem Aussichtspunkt nach Bennemühlen finden wir die nächste Station des Lehrpfades. Ist schon witzig gemacht. Durch ein Loch in hier gefundenen Steinen kann man gucken, woher sie ungefähr stammen und welch langen Weg sie hinter sich haben. Ein Stück noch entlang des Waldsaums, dann geht es auf einem schmalen Pfad nach links zu den Sandgruben. Die erste ist ein ehemaliges Abbaugebiet, zu dem mehrere Pfade führen.

Aktive Sandgrube (2012)
Hier hat sich schon eine interessante Pflanzenwelt angesiedelt. Kurz geht es auf die breite Abfuhrstraße aus der aktiven Sandgrube, dann werfen wir auch schon den ersten Blick hinein. Wenn irgendwann hier der Betrieb zum Erliegen kommt, ist das Potenzial für eine feine Renaturierung groß. Entlang der Grube gelangen wir zu mehreren Stationen des Geopfades. Eine Baggerschaufel, ein schwebender Steinhaufen, bei dem der Blickwinkel den Aha-Effekt auslöst und ein ganzes Stück weiter eine neue Aussichtsplattform in die Grube. Hier wartet auch ein etwas maroder Rastplatz und dahinter eine kleine Heidefläche. Das macht schonmal Spaß hier, trotz des trüben Wetters. Am Finkenslag stehen zwei sehenswerte Häuser, dann geht es in den Wald des Brelinger Berges. Die Wege hier haben uns am meisten gefallen, denn unerwartet schmale Pfade führen uns auf den 92 Meter hohen „Gipfel“ des Berges. Ein alter Gaußstein krönt die Kuppe, die wohl auch häufig von Crossbikern genutzt wird. 1828 ließ der geniale Mathematiker und Geodät Carl Friedrich Gauß hier einen Vermessungsstein zur Triangulation des Königreichs Hannover aufstellen. Auf schmalem Pfad geht es wieder hinab, dann etwas breiter, bevor wir den Wald verlassen. Hier am Waldrand kann man die Runde bei Bedarf noch sehr nett verlängern, ansonsten geht es langsam zurück. Eine 5 Hektar große ehemalige Abbaufläche, die heute unter dem Schutz des NABU Wedemark steht, liegt rechter Hand, dann gibt es an einem alten, umfunktionierten Trafohäuschen die Gelegenheit zu einer letzten Rast, bevor wir kurz darauf unseren Ausgangspunkt am Baggersee erreichen.
Am Ende eines Tages...
Der kürzeste und „schmerzloseste“ Beitrag bisher, denke ich. Das wird dem Weg nicht ganz gerecht, aber wir waren zur pflanzenarmen Zeit hier, der Weg war sehr kurz und erleben sollte man solche Wege auch immer am besten selbst. Den Geopfad und seine Stationen kann man auch ohne große geologische Vorkenntnisse erleben. Die schmalen Pfade am Brelinger Berg hatten wir so nicht erwartet, obwohl sie natürlich auf unserer Karte als solche verzeichnet waren. Manchmal hat man das Pech, das diese Wege dann geharvestert, verkrautet oder gar verschwunden sind. Dies war hier glücklicherweise nicht der Fall. Solche kleinen, aber feinen Runden in erreichbarer Entfernung können wir immer gebrauchen. Da wir aber im Süden Niedersachsens und in den angrenzenden Bundesländern ausreichend „zu tun“ haben, werden solche Stippvisiten in den weitestgehend flach auslaufenden Norden eher die Ausnahme bleiben.