
Ehemalige Schmiede in Wehrstedt
Vor dem Ökologischen Wasserlehrpfad in Bodenburg schreckten wir lange zurück, weil die Wegeführung uns in früheren Zeiten suboptimal erschien, wie leider bei vielen ausgewiesenen Rundwegen. So machten wir eigentlich immer nur eine verkürzte Runde um die Ohe. Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich und so empfanden auch wir im Laufe der Zeit wieder mehr für die Kultur unserer Heimat, die untrennbar mit der noch vorhandenen Natur verbunden ist. Jedes noch so kleine Dorf hat irgendetwas, das erlebnisreich ist, wenn man es möchte. Also war es für uns an der Zeit, die Runde mal wie vorgegeben zu machen. Und siehe da, es war wie mittlerweile fast immer ein wanderbares Erlebnis. Durch die geologische Situation im Umfeld der Ortschaft Bodenburg herrscht hier ein großer Wasserreichtum. Der Ökologische Wasserlehrpfad Bodenburg entstand schließlich 1995 auf Initiative des ortsansässigen Künstlers Hans-Werner Kalkmann, in dessen Werken das Thema Wasser schon immer eine große Rolle spielt. Auf 17 Schautafeln entlang des Weges, der wie der Wasserkreislauf keinen richtigen Anfang hat und wie es bei einem Rundweg üblich ist, ebenfalls kein richtiges Ende, bekommt man Informationen über die Funktionen des Wassers im natürlichen Zusammenhang und seine Bedeutung für den Menschen. Es ist Jammern auf hohem Niveau, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass man an dieser Stelle eine solche Gelegenheit genutzt hätte, um einen mehr „ganzheitlichen“ Lehrpfad zu schaffen. Infos zum Beispiel zu den Sagen und Legenden der Gegend, zu den beiden schönen Alleen an der Ohe, der alten Schmiede in Wehrstedt oder dem wunderbaren Zwergentunnel-Heckenweg. Aber das ist bei vielen Lehrpfaden so, das man sehr spezifische Informationen hauptsächlich zu einem Thema erhält und auch so erfährt man auf den Tafeln Interessantes zum Thema Wasser am Beispiel von Bodenburg. Für Interessierte gibt es einen PDF-Flyer zum Weg auf der Site der Stadt Bad Salzdetfurth (mittlerweile schreibe ich es richtig) oder ein umfangreicheres Begleitheft z.B. beim Fremdenverkehrsverein oder Kunstverein Bad Salzdetfurth.
Los geht es am Bahnhof Bodenburg, der ja eigentlich irgendwie in Östrum liegt. In früheren Zeiten war Bodenburg ein kleiner Eisenbahn-Knotenpunkt, als von hier noch Zuglinien nach Elze und nach Bad Gandersheim verkehrten. Heute geht es „nur“ noch ins altehrwürdige Hildesheim bzw. über Groß Düngen in Richtung Harz. Unübersehbar direkt am Bahnhof der alte Wasserturm, der auch eine der Stationen des Lehrpfades darstellt. Ich habe nicht alle Infotafeln fotografiert und eingestellt, sondern nur einige wenige von ihnen als Anschauungsobjekte. Am Gewerbegebiet vorbei, auf dessen Gelände früher eine Zuckerfabrik stand, geht es fix hinaus aus dem Dorf. An der Kläranlage, der nächsten Station, überqueren wir den kleinen Bach Riehe, an dem weiter in Richtung der Kurstadt eine alte Wassermühle stand bzw. noch steht. Hier gibt es auch die Möglichkeit eines Abstechers zu einem wenige hundert Meter entfernten Feuchtbiotop. Wir streben hinauf in die hügelige Feldmark zwischen Östrum und Maiental. Landschaftlich ist das noch nicht so prickelnd, aber es bieten sich schöne Ausblicke ins Almetal, zum Hildesheimer Wald oder nach Bad Salzdetfurth. Auf einem der Hügel der „Fuba-Dome“ des einst weithin bekannten Unternehmens, auf dessen Firmengelände das heutige Teccenter entstand. In Maiental besteht die Möglichkeit zur Einkehr in der traditionsreichen Waldgaststätte „Im Maiental“, die aus einem landwirtschaftlichen Betrieb der 1930er Jahre hervorging, der damals schon durstig und hungrig umherstreifende Wandervögel versorgte. An der Straße geht es jetzt, vorbei an Kleingärten, hinab in den Außenbereich der Stadt Bad Salzdetfurth. Fast unverkennbar sind die Anlagen des ehemaligen Kalischachtes II, dessen südliche Grenze wir passieren. Bad Salzdetfurth ist ein schöner, ein erlebnisreicher Ort „vor den Toren“ der alten Bischofsstadt Hildesheim, der selbstverständlich irgendwann einen eigenen Beitrag wert ist. Auch weitere Wanderungen werden uns hoffentlich wieder zu den Erlebnissen der Umgebung führen, zu denen wir heute nicht gelangen. Eine Tagestour ist der Ort auf jeden Fall immer wert. Ein Bummel durch den kleinen, aber feinen Kurpark mit Besuch der Sole-Therme, ein Rundgang durch den Fachwerkkern der Stadt, eine Tour in die wanderbare und erstaunlich bergige Umgebung oder eine Exkursion in die (Bergbau)-Geschichte der alten Kali- und Salzstadt kann man nur wärmstens empfehlen.

Im Lammetal
Für uns geht es heute nur kurz vorbei am Lammewehr und dann gleich wieder hinaus in den Stadtteil Wehrstedt. Aber auch der hat mehr Spannendes zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten sollte. Zuerst geht es vorbei an der sehenswerten Schmiede von Wehrstedt mit ihrem historischen Windrad. Leider habe ich dieses Mal keine Infos dazu gefunden, aber das wohl über 100 Jahre alte Windrad stellt eine findige Installation dar und könnte zu den ältesten unserer Republik gehören. Für tiefgehende historische Informationen zum kleinen Wehrstedt kann ich die Site des Heimatvereins empfehlen, auf der man eine HTML-Version der umfangreichen Dorfchronik bekommt. Auf dem kleinen Fußweg, an manchen Stellen haben wir die Route etwas unseren Bedürfnissen angepasst, geht es hinauf ins „Bergdorf“ Wehrstedt. Der Kirchplatz mit den umliegenden Häusern und altem Baumbestand ist schon ein nettes Plätzchen. Auf dem Gelände des Pfarrgebäudes steht ein zum Jugendtreff ausgebauter Güterwagen. Auf dem Weg aus dem Ort hinaus liegt auf der rechten Seite der Islandpferdehof „Oheblick“. Vorbei an einem kleinen Rastplatz, verlassen wir den Ort schließlich, kommen ins Lammetal und beginnen die Umrundung der Ohe, die dabei immer rechts von uns bleibt. Für uns ein schöner Weg zwischen dem hier begradigten Bach und Feldern, der in jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat. Etliche kleine selbstgebastelte Brücken überspannen den Bach zu Gartengrundstücken, die wohl zu den Häusern an der Kreisstraße 315 gehören. So gelangen wir entspannt zum Schellbrunnen, der in der Vergangenheit eine wichtige Rolle für den Ort spielte. Mehrere Sagen und Legenden ranken sich um die Ohe und den Born. Ein Ort mit Ausstrahlung auf jeden Fall und man glaubt die hier wirkenden Kräfte der Natur fast spüren zu können. An solchen Orten fällt es mir leicht nachzuvollziehen, warum die im Naturglauben verwurzelten Menschen früherer Zeiten solche Orte für heilig hielten.
Noch ein Stück geht es durch den Buchenwald der Ohe, dann hinaus ins offene Tal der Lamme, die ab hier wieder sie selbst sein darf und munter vor sich hin murmelt und prustet. Das mag für viele nichts Besonderes sein, keine besondere Landschaft. Wir fühlen uns hier immer irgendwie wohl und es zieht uns wie magisch alle paar Jahre zu einer Umrundung der Ohe in der Auenlandschaft der Lamme. Das hat etwas Ursprüngliches, etwas Abgeschiedenes, etwas vielleicht Unbeschreibliches, das man nur individuell erleben kann. Entlang der natürlich dahinfließenden Lamme geht es bis zur Landstraße 493, dann ein paar Meter an oder neben der Straße und schließlich hinauf zum südlichen Waldrand der Ohe. Dort gibt es einen Weg am Rand des Waldes oder man geht auf einem je nach Jahreszeit mehr oder weniger gut begehbaren Grasweg außerhalb des Waldes. Von dort hat man teilweise weite Ausblicke in die Umgebung bis zum Harz hin. In Richtung Bodenburg bringt uns ein wiederum freundlicher Weg durch eine alte Lindenallee. Solch schön angelegte Baumreihen sind auch nicht überall zu finden, hier verlaufen gleich zwei davon fast parallel zueinander. Über die Landstraße 493 kommen wir schließlich in die Bodenburger Feldmark. Diesen Abstecher in die Felder hätten wir beinahe weggelassen, weil mir das wirklich nicht sehr wanderbar erschien. Aber wir wollten halt den Ökologischen Wasserlehrpfad diesmal komplett wandern und wir wurden nicht enttäuscht. An der Station 1 des Lehrpfades kommen wir, die Windräder geflissentlich übersehend, zu einem Kleinod, das wir noch nicht oft bestaunen und erleben durften, in der Hildesheimer Umgebung sogar noch überhaupt nicht. Die beiden langen Zuwege in der Feldmark werden durch einen Heckenweg verbunden, der an andere „Zwergentunnel“ erinnert. Ob es sich um eine alte Windschutzhecke oder was auch immer handelt, kann ich leider nicht ermessen und leider bekommt man auf den Tafeln des Lehrpfades auch keine Informationen. Auf jeden Fall ein richtig schöner Weg, sogar mit einer Pausenbank. Hinter dem Heckenweg geht es jetzt zur letzten Etappe des Tages nach Bodenburg. Kurz vor Erreichen des Ortes gelangen wir zu einem schönen Grill- und Rastplatz mit allem Drum und Dran und einem dieser irgendwie kurios anmutenden Ausblicks-Stahldinger, die Bad Salzdetfurth sich, vermeintlich ganz am Puls der Zeit, geleistet hat.

Lindenallee im frühen Frühling
Wir erreichen Bodenburg, wieder einer dieser Orte in der Umgebung, dessen nähere Erkundung durchaus Erstaunliches zu Tage fördert. Den Weg durch den Ort kann sich deshalb jeder ganz individuell zusammenstellen. Unser Weg führte uns zuerst in den historischen Ortskern mit seinen beiden Fachwerk-Straßenzügen. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert mehrfach von verheerenden Feuersbrünsten zerstört, der Kern ist trotz dessen schön erhalten. An einigen Stellen findet man Kunstwerke des ortsansässigen Künstlers Hans-Werner Kalkmann, der eben auch den von uns heute begangenen Lehrpfad mit initiiert hat. Dann geht es je nach eigenem Ermessen entweder durch die Sehlemer Straße direkt zum Schlosspark Bodenburg oder durch die Teichstraße vorher noch durch den Schlossbezirk. Das ist für Erstbesucher durchaus zu empfehlen, denn hier gibt es ein sehenswertes Gebäudeensemble. Da ist das zum einen das moderne Atelier von Hans-Werner Kalkmann und daneben der außergewöhnliche, historische Bullenstall, in dem der Kunstverein Bad Salzdetfurth seinen Sitz hat, zum anderen das Schloss mit seinem markanten Bergfried, der durch seine Uhr an einen Kirchturm erinnert. Durch den Schlosshof geht es in den angrenzenden Park, der schon bessere Zeiten gesehen hat, aber auch schon schlechtere. Da es im Raum Hildesheim solche Anlagen nicht gerade an jeder Straßenecke gibt, besitzt er trotzdem einen hohen kulturhistorischen Wert und das nicht nur, weil hier der „Tennisbaron“ Gottfried von Cramm einst trainierte. Durch den öffentlich zugänglichen und kleinen, aber feinen Schlosspark mit teils altem Baumbestand gelangen wir zur Straße, an der wir die letzten Meter zu unserem Ausgangspunkt zurücklegen.
Am Ende eines Tages...
Ein Weg durch Kultur und Natur in einer Gegend, die vom Wasser geprägt ist und auch von ihm profitiert hat. Aber die meistens friedlich und freundlich dahinfließende Lamme hat erst 2017 wieder bewiesen, dass es ihr nicht wirklich gefällt, von Menschenhand gezähmt und drangsaliert zu werden. Die Rufe werden dann immer sofort laut nach besserem Schutz. Nur wenige rufen nach einer Besinnung, einer vernunftbegabten und wertschätzenden Nutzung der Natur. Aber das wäre in einer Gesellschaft, die den Turbo noch zündet, wenn es schon bergab geht, vielleicht zu viel verlangt. Der Ökologische Wasserlehrpfad ist noch ausbaufähig. Er ist kein Premiumweg für Menschen, die süchtig sind nach Großsehenswürdigkeiten. Er führt mal asphaltiert, mal auf schmalem Pfad durch eine Landschaft, die teils noch ihren natürlichen Charakter bewahrt hat, aber größtenteils von der Kultur des Menschen geprägt ist. Ein Weg, der all das bereithält, was unser Land ausmacht und ein Weg, auf dem man erkennen kann, dass das ganze Leben eigentlich nichts anderes ist als eine einzige, für unsere Maßstäbe ziemlich lange Wanderung…
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