
Die Innerste am Hüttenkamp
Langelsheim hat durchaus schöne Ecken und einiges, das sich zu entdecken lohnt. Wir begegnen davon auf dem Weg vom Bahnhof zur Innerste nur wenigen. Für uns gehört aber auch die Kultur zu den wichtigen Aspekten vieler Wanderungen und Langelsheim merkt man noch deutlich seine Historie als Bergbau- und Industrieort an. Das ist ein rauer Charme, den die Wohnsiedlungen der Mitte des 20. Jahrhunderts versprühen. So geht es vielleicht nicht gerade wanderbar zum Innersteufer, aber trotzdem interessant und erlebenswert, wenn man sich darauf einlassen kann. An unserem Heimatfluss, der hier bei Langelsheim seine Kinderstube Harz verlässt und immer noch schwer belastet ist, wird es dann schon deutlich freundlicher. Ein schöner Pfad führt entlang der begrünten Innerste, die hier breit und flach dahinströmt. So gelangen wir in das bei Langelsheim beginnende Naturschutzgebiet „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“, das nach Verlassen des Ortes beginnt und sich bis fast vor die Tore unserer Heimatstadt zieht. Dort wo das Naturschutzgebiet endet bzw. beginnt, mündet auch das kleine Harzflüsschen Grane, das bei Hahnenklee entspringt, in die Innerste. Natürlich ist das hier keine uneingeschränkte Idylle, denn dafür befinden wir uns nahezu auf der gesamten Tour zu nahe an der vermeintlichen Zivilisation und ihren Einflüssen auf die Landschaft. Aber die Innerste als teils schwermetallbelasteter Fluss hat ebenso wie die in Richtung Braunschweig fließende Oker, einen in unserer Gegend ganz besonders erlebenswerten Charakter.

Der Burghügel am Kanstein
Naturschutzgebiet Mittleres Innerstetal mit Kanstein
Naturschutzgebiet Mittleres Innerstetal mit Kanstein
Das 563ha große NSG „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“, das seit 2008 ausgewiesen ist, erstreckt sich vom nordöstlichen Rand von Langelsheim bis zur Innerstebrücke bei Heinde. Zusammen mit den Naturschutzgebieten „Mastberg und Innersteaue“ und „Haseder Busch“ ist der Fluss auf gut der Hälfte seiner insgesamt knapp 100 Kilometer Länge als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Unter Schutz steht hier ein naturnaher, dynamischer Berglandfluss mit seinen typischen Abbruchkanten, Prall- und Gleitufern. Mehrere Auwald-Fragmente, ausgedehnte Uferstaudenfluren, Flussschotter-Magerrasen und viele kleine Nebenteiche und Gewässer prägen sein vielfältiges Erscheinungsbild. Als markante Punkte sind zum Beispiel zu nennen: Der Kanstein bei Langelsheim, die Schlackenhalde bei Bredelem, die Klärteiche bei Baddeckenstedt und die Fischteiche bei Derneburg. Die teils schwermetallbelastete und sauerstoffreiche Innerste beherbergt in ihren verschiedenen Flussabschnitten eine großartige und artenreiche Fauna und Flora. Auf den Schwermetallrasen wachsen z.B. Hallers Grasnelke, Hallers Schaumkraut und das Dreifarbige Stiefmütterchen. An den Gewässern leben z.B. Eisvogel, Schwarzstorch, Mittelsäger und die Wasseramsel.

Am Wartberg im späten Herbst
Eigentlich quatschen wir ja eher nicht so viel beim Wandern, aber an diesem Tag hatten wir wohl Frühlingsgefühle und bogen beim Quasseln auf den „falschen“ Weg ein. Als wir das merkten, war dieser aber schon viel zu schön um noch zurückzukehren. Es geht hier nämlich, die nachträgliche Recherche ergab Gewissheit, oberhalb des Gleisbetts einer alten Bahnlinie entlang. Dieser ehemaligen Bahnstrecke Vienenburg-Langelsheim sind wir auch schon früher begegnet, zum Beispiel bei Wanderungen am Harly, am Kloster Wöltingerode und sehr beeindruckend in einem kleinen Waldstück bei Immenrode. Auf einem schönen Weg wartet eine Bank am Ende, bevor es wieder zum Fuß des Berges geht. Der Wartberg repräsentiert die Gegend hier zum Schluss noch einmal von ihrer allerschönsten Seite. Alter Knorreichen-Birken-Graswald flankiert unseren Weg aufs Feinste und führt am Ende zu einer schönen Aussichtsbank unter Kiefern. Jetzt folgt der nächste Abschnitt, in dem es durch eine offene Feldlandschaft zum Gut und Kloster Riechenberg geht. Das Kloster Riechenberg wurde 1117 von der Familie des Subdiakons des Goslarer Stifts St. Simon und Judas („Dom“) gestiftet. Nach Jahrhunderten des wechselnden Wachstums und Niedergangs, wurde das Kloster 1803 säkularisiert und die romanische Kirche 1818 zur Gewinnung von Baumaterial abgerissen. Das Gut wird immer noch landwirtschaftlich genutzt, auf dem Gelände des „Restklosters“ lebt heute eine evangelische Gethsemane-Bruderschaft. Durch die Rosenpforte kann man zwischen Mai und Oktober jeden Dienstag um 15 Uhr das Klostergelände und die Krypta besuchen, die zu den schönsten in Norddeutschland gezählt wird. Auch die Reste der Stiftskirche und der Landschaftsgarten sind einen Besuch wert. Wer nur die Führung von der Rosenpforte aus mitmachen möchte, findet an der B82 zwischen Goslar und Langelsheim einen passenden, zu Stoßzeiten auch nicht ungefährlich erreichbaren Parkplatz.

Krokusmeer im Stadtgarten
Mit Besichtigung oder ohne, am Kloster geht es immer an der Wand lang. Die Klostermauer ist im westlichen und südlichen Bereich noch erhalten und geleitet uns vom Gelände. Jetzt wird es erstmal durstig, denn wir müssen durch die Feldmark, über die Verbindungsstrecke zwischen den Bundesstraßen 6 und 82, unter der Eisenbahn hindurch und gelangen dann zum Goslarer Stadtfriedhof. Der ist durchaus sehenswert und wer mag, kann die Strecke hier ändern. Den schönen Weg über den mitten im Ort liegenden Kattenberg sollte man aber schon nehmen. Wir dachten, das wäre ein Park, aber es handelt sich wirklich um ein Waldstückchen, das irgendwie der menschlichen Umtriebigkeit entkommen ist. Wir kommen vom Kattenberg direkt in den kleinen Stadtgarten mit seiner Minigolf-Anlage. Eine Augenweide war der kleine Park bei unserem Besuch im März, denn Abertausende von verschiedenfarbigen Krokussen überzogen die Rasenfläche. Für uns zum Abschluss noch einmal ein Grund, nicht immer nur die Abgeschiedenheit zu suchen. Denn auch in Städten wie zum Beispiel Goslar gibt es an (fast) jeder Straßenecke etwas zu entdecken. Wir kommen zum Odeon-Theater, das jetzt seit Jahren im Dornröschenschlaf des langsamen Verfalls liegt bzw. noch steht. Das Gebäude entstand im 19. Jahrhundert und hier gründete sich zum Beispiel 1950 die Bundespartei der CDU und wählte ihren Bundesvorsitzenden Konrad Adenauer. Ein Haus mit ansehnlicher Geschichte und ungewisser Zukunft. Durch einen Fußgängertunnel gelangen wir schließlich zu unserem Ziel am Goslarer Bahnhof, der wohl mit seiner Architektur nicht nur zufällig an einige Gebäude der Stadt erinnert.
Am Ende eines Tages...
Das war wieder eine der sehr spannenden Touren rund um die alte Kaiserstadt Goslar. Unsere Touren am Sudmerberg, am Steinberg, am Rammelsberg und am Bollrich, sind ja leider letztes Jahr verloren gegangen und müssen beizeiten wiederholt werden beziehungsweise aus der Erinnerung neu eingestellt werden. Wer schöne und für (Nord)Deutschland außergewöhnliche Natur mit faszinierender Kultur verbinden will, dem sei die nähere Umgebung der Welterbestadt Goslar, einer der Perlen Niedersachsens, aller wärmstens empfohlen.
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