
Geile Aussicht
Viermal waren wir hier wandern, gefühlt zehnmal. Die Dörnberg-Tour ist eine der Wanderungen, die wir am häufigsten wiederholt haben, weil die Gegend rund um das Naturschutzgebiet Dörnberg landschaftlich zu den schönsten in Norddeutschland zählt. Entdeckt haben wir es, als wir endlich ein Auto hatten und weiter nach Nordhessen vorstoßen konnten, das (nicht nur) auf den Premiumwegen sehr viel zu bieten hat. 2005 und 2011 waren wir im April und Mai etwas zu früh und 2023, nach 9 Jahren Abstinenz, im Oktober viel zu spät für die gewaltige Orchideenblüte in diesem Gebiet. Lediglich 2014 waren wir zur rechten Zeit und entdeckten zahlreiche botanische Raritäten. Die Fotos aus diesem Jahr habe ich ans Ende der Galerie gestellt. Aber auch im Oktober weiß der Dörnberg zu bezaubern und es waren an einem schönen Herbstwochenende zahlreiche Besucher vor Ort. Beim Start auf dem Großparkplatz am Dörnberg war es allerdings noch recht überschaubar, sodass wir ganz in Ruhe starten konnten. Am Anfang steht ein kleines Infozentrum, in dem man sich jede Menge Wissen über Zierenberg und den Dörnberg anlesen kann. Dann geht es für uns erst einmal auf den Jägerpfad, der am unteren Ende des Naturschutzgebietes Dörnberg entlangführt. Von Anfang bis Ende hat man immer wieder weite Aussichten in Richtung Westen. Wenngleich auch hier einige Waldstücke verschwunden sind, haben die Offenlandschaften am Dörnberg nichts von ihrer Faszination verloren. Beschreiben kann und muss man hier eigentlich nicht viel. Die geilen Wege, die wunderbare Landschaft, durch die wir wandern und die Aussichten in die schöne Umgebung, sprechen Bände.
Welche Pflanzen erwarten den aufmerksamen Wanderer, der zur rechten Zeit kommt? Ich zähle einfach die auf, die wir im Lauf der Jahre entdecken durften. Zahllose Orchideen selbstverständlich, unter anderem Fliegen-Ragwurz, Bienen-Ragwurz, Großes Zweiblatt und Mücken-Händelwurz. Ebenso findet man hier den sehr seltenen Lothringer Lein, der gar nicht schwer zu erkennen ist, Buchenspargel, Ästige Graslilie und das Große Windröschen. Am Spannstuhl, an der Enzianhütte und an weiteren schönen und aussichtsreichen Stellen befinden sich Rastplätze auf dem Weg zur nächsten markanten Landmarke, dem Blumenstein. Hier stand einst eine Burg, die aber bereits im 15. Jahrhundert wüst gefallen war. Eine Sage rankt sich um die Wichtelkirche. Was die wenigsten zu sagen wagen (warum eigentlich?) ist, dass solche „Sagen“ zumeist Propaganda der christlichen Kirche waren. Aus den heiligen Orten der Germanen, die eher einer respektvollen Naturreligion anhingen, wurden durch Umbau, Zerstörung oder eben auch absurde Geschichten christliche Orte konstruiert. Witzigerweise haben sich die wirklichen Ursprünge teils bis heute erhalten. Vom Blumenstein, der eine tolle Aussicht auf den weiteren Verlauf unseres Weges bietet, geht es hinab ins Heilerbachtal und dann hinauf in die Siedlung Friedrichsbrunn, in der die gleichnamige Berggaststätte zur Einkehr einlädt. Auf schmalen Wegen und Pfaden erreichen wir schließlich den Hohen Dörnberg (579 m). Von den Freiflächen hier oben bietet sich ein fantastischer Ausblick in die nähere und weitere Umgebung. Fast die gesamte Wanderung kann man von hier oben nachvollziehen. Durch Infotafeln wird man darauf aufmerksam gemacht, dass hier oben bereits im 3. Jahrtausend vor Christus Menschen siedelten.

Blick zurück zum Großen Dörnberg
Nach dem Sattsehen geht es hinab zu den Helfensteinen oder dem Helfenstein. Mehrere, zumeist leider mehr als gut besuchte Basaltfelsen schauen hier aus dem Fußboden und laden zum Bestaunen ein. Auch hier gibt es Funde, die auf eine lange Besiedlung schließen lassen und auch die Reste einer hochmittelalterlichen Burg wurden gefunden. Auf dem weiteren Weg muss man etwas auf den eventuell vorhandenen Flugverkehr des Segelflugplatzes achten. Dieser ist nach der Wasserkuppe und Rossitten der drittälteste der Welt. Wir begeben uns jetzt auf den Alpenpfad, der, ebenso wie der Jägerpfad, etliches an Fauna, Flora und Aussichten zu bieten hat. Bemerkenswert finde ich immer wieder die Dichte an Wacholder, die hier im Naturschutzgebiet Dörnberg zu finden ist. Rastplätze und Bänke gibt es ebenfalls jede Menge, sodass man es sich die letzten Kilometer jederzeit nochmal gemütlich machen kann. Vorbei an einem kleinen Hutewäldchen erreichen wir, hoffentlich vollends zufriedengestellt, unseren Ausgangspunkt am Großparkplatz.
Am Ende eines Tages...
In der Kürze liegt die Würze, wobei in diesem Fall die Ergebnisdichte dem geschriebenen Wort weit, weit überlegen ist. Der Dörnberg ist – nicht nur zur optimalen Zeit – ein absoluter Oberknaller. An kaum einen anderen Ort, ausgenommen den Brocken und nähere Orte in unserer direkten Umgebung, hat es uns so oft hingezogen wie zu diesem. Lasst euch nicht bange machen von MiMiMedien, GIERung und Unwissenschaft, geht wandern und genießt das vielleicht einzige Leben, das euch gegeben wurde.
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