
Blick zum Stellberg
Zum Abschluss des Rhön-Urlaubes sollte es zur Milseburg gehen. Eigentlich wollten wir sie am „schönsten“ Tag absolvieren, aber in dieser Zeit des Urlaubs hatten wir die Burgen erobert. So war es freundlich durchwachsen und nur ein paar Tropfen Regen erwarteten uns gegen Ende. Kaum am Auto angekommen, zog ein Gewitter auf. Aber erst einmal geht es vom netten Parkplatz unterhalb der Milseburg los. Wer es noch ruhiger haben möchte, nimmt den im Biebertal beim Malerdorf Kleinsassen. Am Parkplatz Milseburg gibt es erst einmal endlos viele Informationen zur Rhön, zum Hochrhöner, zur Tour an der Milseburg und zur Milseburg selbst. Wenn man sich da „durchgeackert“ hat, kann es endlich losgehen. Wir legten den sagenumwobenen Berg ans Ende der Tour, sodass es erst einmal in Richtung des Stellberges geht. Bereits nach wenigen Metern hat man die erste Aussicht in die Umgebung. Markant erhebt sich in der „nahen Ferne“ das Schloss Bieberstein auf dem Kugelberg. Am Weiler Delzen, einem 1807 erstmals erwähnten Gehöft, geht es in den freundlichen Wald. An der übernächsten Wegkreuzung kann man sich den steilen Aufstieg zur abgegangenen Burg Milseburg oder Liedenküppel gönnen. Oben angekommen, erwartet einen aber nur ein Loch an der Stelle eines ehemaligen Turms, ein Grenzstein und ein paar kümmerliche Fundamentreste. Nicht viel übrig ist von der 980 erstmals erwähnten Burg, die gerade einmal zwanzig Meter im Quadrat maß und lediglich aus einem Wohnturm bestand.
Auf freundlichen Wegen führt uns der Milseburger weiter durch schöne Wälder. Ab und zu genießt man kleinere und größere Aussichten, wie zum Beispiel an einem weiteren Gehöft an einer kleinen Waldwiese. Unser Weg führt uns schließlich ins Biebertal südöstlich des Malerdorfs Kleinsassen. Das wohl im späten 8. Jahrhundert entstandene Dorf wurde ab den 1850ern zu einer Malerkolonie. Bis 1933 besuchten mehr als 80 Maler vieler Akademien, unter anderem Dresden, Düsseldorf, Weimar, München oder Leipzig, das malerisch gelegene Dorf an der Milseburg. Ein Maler, der Düsseldorfer Professor Julius von Kreyfelt, ließ sich sogar hier nieder und einer der bekanntesten Rhönmaler, Paul Klüber (1904 – 1947), stammt aus Kleinsassen. Nach einer „Schaffenspause“ wurde 1979 das Kunstleben in Kleinsassen durch einige Kleinsassener und einen Göttinger Grafiker wiederbelebt. Zahlreiche Veranstaltungen fanden seitdem statt, unter anderem jedes Jahr die Kleinsassener Kunstwoche. Im Biebertal erwartet uns ein Parkplatz und eine Wiese mit Rastplatz, Grillstelle und Schutzhütte. Durch das Biebertal geht es weiter, später auch mit der ersten Aussicht auf die Milseburg, den vielleicht markantesten Berg der gesamten Rhön. Wir streben dem Stellberg entgegen. Am Hauenstein erwartet uns ein Rastplatz und einige interessante Felsen, etwas weiter oben, am Einstieg in das Naturschutzgebiet Stellberg bei Wolferts, eine Wiese mit Schutzhütte und Rastmöglichkeiten.
Die Milseburg
Die Milseburg
Die Milseburg ist einer der sagenumwobenen Orte der Rhön und vielleicht der markanteste Höhenzug. Entstanden ist die Kuppe durch Vulkanismus, durch den knapp unter der Erdoberfläche Magma abgelagert wurde. Im Laufe der Zeit wurden die umliegenden, weicheren Schichten abgetragen und der Phonolitkörper der Milseburg, der sich heute noch 130 Meter über die Umgebung erhebt, wurde nach und nach herausgearbeitet. Durch Erosion wurde das härtere Vulkangestein gesprengt, wodurch die heutigen Blockhalden entstanden. Das auf der Milseburg entdeckte Oppidum aus der Hallstattzeit stellt mit seiner Fläche von 32,5 Hektar das bedeutendste archäologische Denkmal der Rhön dar. Vieles ist im Laufe der Zeit der Gleichgültigkeit des Menschen zum Opfer gefallen. Die einstmals 1300 Meter lange Ringwallmauer, die bis zu 1000 Menschen Schutz bot, lässt sich nur noch anhand einer unvollständigen Rekonstruktion erahnen. Verschiedene Grabungen, die letzte und umfangreichste in den Jahren 2003/2004, brachten viele Erkenntnisse über die über 2000 Jahre alte Ringwallanlage, über die ihre Erbauer keine Aufzeichnungen führten. Vom Gipfel mit seiner typisch christlichen Überbauung in Form einer Kapelle und einer Kreuzigungsgruppe reicht der Blick weit ins umliegende Land.
SDann geht es auch schon hinauf auf den 728 Meter hohen Stellberg, der die Kondition zu prüfen weiß. Ein bisschen eingelaufen sind wir ja bereits. Fantastische Pfade führen uns zu den Blockhalden des Berges. Von der prädestinierten Bank hat man bei gutem Wetter angeblich Ausblicke bis zum Vogelsberg und Taunus. Der Blick in die nähere Umgebung des Fuldaer Landes ist aber auch mehr als ausreichend. Ein Plätzchen, das man gar nicht mehr verlassen will, aber halt irgendwann schon muss. Der Weg von der Höhe des Stellberges steht dem vorangegangenen Anstieg in nichts nach und so erreichen wir beschwingt den Fuß des Berges, an dem uns (leider) erst einmal eine längere Passage auf Asphalt erwartet. Etliche Höfe und kleine Weiler gibt es in diesem Teil der Rhön und alle wollen schließlich gut nach Hause kommen. Es geht hinauf zur Maulkuppe, an der ein Abstecher zum Fuldaer Haus möglich ist. Wir fanden eine schöne und unbesetzte Liegebank mit Blick zur Milseburg, wo wir uns unsere selbstgemachten, mit Käse überbackenen Brote hinter die Kiemen schoben. Zwischen dem Fuldaer Haus und Grabenhöfchen verläuft eine zwei Kilometer lange Kunstmeile, der zumindest wir keine weitere Beachtung schenkten. Etliche Kunstwerke, die wohl unter dem Vorwand erstellt und aufgestellt wurden, irgendwie doch irgendwen irgendwann zum Nachdenken anzuregen, warten letztendlich darauf, als hübscher Hintergrund für irgendwelche Selfies herzuhalten.

Blick zum Stellberg und nach Kleinsassen
Bei Vordereselsbrunn wenden wir uns nach links und verlassen die Asphaltwüste. Langsam nähern wir uns der Milseburg. Die Zeit hat viele Erinnerungen verblassen lassen, aber unfreundlich ist der weitere Weg nicht gewesen. Es geht durch den Wald, der ab und zu durch Wiesen aufgelockert ist, die aber keine weiten Aussichten zulassen. Es wird auch zunehmend steiniger und felsiger und am Fuß der Milseburg erwarten uns die ersten Blockhalden. Hier gelangen wir auch in das Naturschutzgebiet Milseburg, das den gesamten Gipfelbereich unter Schutz stellt. Schließlich erreichen wir die ehedem mehr als einen Kilometer lange Mauer des keltischen Oppidums, die sich an einem rekonstruierten Mauerstück zumindest erahnen lässt. Viele Infotafeln berichten über die Befunde der Grabungen an der Milseburg. Mit jedem Höhenmeter hinauf wird es felsiger. Der Weg zum Gipfel wird nicht langweilig. Eine kleine Mariengrotte, eine Aussicht, ein Felsen, eine christliche Stele – und schon sind wir oben. Zumindest fast, denn von dem Plateau geht es noch ein paar Meter weiter rauf. Von ganz oben hat man dann wohl eine der beeindruckendsten Aussichten der Rhön. Wer nicht gerade wie wir vor einem aufziehenden Gewitter und ankommenden Schulklassen fliehen muss, kann hier oben Stunden verbringen und die Schönheit des Ortes genießen. Da die Wege über das Oppidum gesperrt waren, mussten wir leider denselben Weg zurück nehmen, um dann ein Stück am Waldrand zu unserem Ausgangspunkt am Parkplatz zurückzukehren.
Am Ende eines Tages...
Eine Beschreibung, die aufgrund der fehlenden Erinnerungen an die kleinen Dinge am Wegesrand völlig unzureichend ist, aber die Milseburg wird an vielen anderen Stellen ausreichend gewürdigt und ist eh Standardprogramm, wenn man in der Rhön wandern geht. Für uns hieß es an diesem Tag, zum zweiten Mal Abschied von der Rhön zu nehmen. Viele der Extratouren des Hochrhöners haben wir mittlerweile erwandert und vieles gesehen und so vieles mehr gäbe es noch zu sehen. Aber der Mensch ist halt nicht in der Lage, in seinem kurzen Leben alles zu sehen und so fuhren wir vollkommen befriedigt zurück in unser Basecamp Hildesheim.
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