An der Sandenhofer Hute

An der Sandenhofer Hute

Der eigentliche Plan war, mehrere der Wanderungen zu wiederholen, die wir bereits 2011 gewandert waren. Aufgrund unserer Erkrankung blieb letztlich nur der Hilderser zur Zweitbegehung übrig und eigentlich auch nur, weil er sozusagen direkt vor unserer Haustür verlief. Es regnete an diesem Tag bis Mittags Bindfäden und wir hatten die Hoffnung auf einen Wandertag schon fast aufgegeben. Dann hörte es doch noch auf und wir nutzten die Gunst des Moments, um uns von unserem Eulennest aus auf die Socken zu machen. Die Ferienhaussiedlung am Buchschirmberg ist ziemlich nett und wir hatten es hier sehr gemütlich und abgeschieden, sogar mit einer etwas eingeschränkten Aussicht zur Wasserkuppe. Der Gang durch die Siedlung gleich zu Anfang war auf jeden Fall interessant. Hinter den letzten Häusern geht es hinaus in die offene Landschaft und es ergeben sich, wie fast immer in der Rhön, herrliche Aussichten in die nähere und fernere Umgebung. Ein Stück geht es am Waldrand hinauf zur Anhöhe. Von hier hat man eine tolle Sicht auf Simmershausen und die sehenswerte Landschaft drumherum. Auf den Höhenzügen hinter dem Ort beginnt dann schon Thüringen. Am Waldrand geht es weiter zur Kreisstraße 35, an der sich der Parkplatz Köpfchen befindet. Von hier aus werden wohl die meisten die Wanderung starten, wenn sie nicht zufälligerweise auch Quartier in einem der Ferienhäuser am Buchschirm bezogen haben. Eines möchte ich an dieser Stelle gleich einfügen: Auch wenn ich manchmal ganze Wegabschnitte in einem Satz zusammenfasse, befinden wir uns mitten im Biosphärenreservat Rhön, das nicht umsonst diesen Status innehat. Die Landschaft ist (fast) überall berauschend, mit herrlichen Wiesen, von denen Norddeutsche weitestgehend nur träumen können und jeder Schritt, jeder Blick darf und kann zum Erlebnis werden.

Hinter dem Parkplatz geht es durch ein Waldstück und dann hinaus in die Sandenhofer Hute, die durch jahrhundertelange Nutzung entstand. Auch hier bietet sich eine schöne Sicht ins Ulstertal nach Hilders und darüber hinaus. Auf den Weiden und Wiesen wachsen mancherorts Massenbestände des Stattlichen Knabenkrauts. Anderswo schon vollständig verblüht, war es hier, in luftiger Höhe, noch nicht ganz so weit. Hinter den Huteflächen geht es wieder in den Wald, zum Ochsenborn und kurz durch das Naturwaldreservat Auersberg. Hier darf Natur noch Natur sein, was leider viel zu selten ist in einem Land wie unserem. Ein vergitterter Steinhaufen signalisiert, dass wir uns der Ruine Auersburg nähern. Vielleicht soll er den Standort der Vorburg markieren. Ein paar Meter weiter erreichen wir schließlich die Burgruine selbst. Ganz nüchtern betrachtet war sie wohl keine Schönheit unter den deutschen Höhenburgen und auch heute ist sie es nicht. Aber Burg bleibt Burg und will erobert werden. Sehr schön ist natürlich der nachträglich eingefügte Aussichtsturm, von dem aus man eine fantastische Aussicht genießt. Zahlreiche Berge der Rhön sind in greifbarer Nähe, wie die prominente Wasserkuppe und die sagenumwobene Milseburg. Schautafeln helfen dem Besucher, die einzelnen Berge besser unterscheiden zu können. Im Inneren der Burg, die quasi nur noch aus den hohen Außenmauern besteht, gibt es mehrere alte Bäume, den verschlossenen Eingang zu einem Kellergewölbe, mehrere Bänke und einen großzügig überdachten Rastplatz. Hier warteten wir einen kurzen Regenschauer ab, bevor wir dann weiter beziehungsweise wieder zurückgehen konnten.

Die Burgruine Auersburg

Die Burgruine Auersburg

Die Burg Auersburg liegt nur auf einem verteidigungstechnisch ungünstigen Vorhang des 757 Meter hohen Auersberges. Die 1214 urkundlich erstmals erwähnte Burg wurde vermutlich bereits im 10. Jahrhundert im Auftrag von Regenher von Weid erbaut. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde sie vermutlich von den Hennebergern als Rittersitz erneuert oder neu gebaut. Im Grenzbereich zwischen rivalisierenden weltlichen und geistlichen Herren gelegen, wechselte die Burg oft den Besitzer. Ab 1214 wurde die Anlage vom Kloster Fulda mehrfach als Lehen ausgegeben, z.B. ab 1270 an die Herren von Tann. 1290 wechselte sie in den Besitz des Bistums Würzburg und wurde bereits 1325 von den Hennebergern zurückgekauft. 1342 gelangte sie wiederum in würzburgischen Besitz und wurde 1354 als Schloss neu errichtet. Finanzielle Schwierigkeiten zogen 1419 eine Verpfändung an die Herren von Eberstein und Tann nach sich. Während des Pfälzischen Bauernkrieges im Jahr 1525 wurde das Schloss zerstört und danach nur noch notdürftig repariert. 1579 wurden die Wohngebäude noch einmal hergerichtet, aber bereits 1585 der Amtssitz nach Hilders verlegt, wodurch das Schloss an Bedeutung verlor. Im Dreißigjährigen Krieg diente es den Einheimischen als Zuflucht. 1686 wurden die Innengebäude abgerissen, die Burg als Steinbruch genutzt. 1803 fiel die Anlage an das Königreich Bayern, das ab 1848 die Abfuhr von Steinen untersagte. Die Burg wurde freigelegt, ein Burgfest wurde gefeiert und weitere Aufräumarbeiten folgten. 1867 fiel die Auersburg an Preußen, ab 1876 übernahm der Rhönklub die Sanierung. Seitdem wurden etliche Male verschiedene Reparaturen und Sanierungen durchgeführt, das letzte Mal in den Jahren 2007 und 2008.

Weiter geht es auf dem Hilderser in Richtung des namensgebenden Ortes Hilders. Es folgt ein munterer Wechsel an Waldlandschaften und Offenlandschaften. Schöne Aussichten, bunte Wiesen, ein Naturlehrpfad und die Ritterschlucht, ein tief eingeschnittenes Bachtal, sorgen dafür, dass garantiert keine Langeweile aufkommen kann. Wir nähern uns kurz dem Ortsrand von Hilders, wobei wir aber zu keinem Zeitpunkt sonderlich viel davon mitbekommen. Nach wiederholter Überquerung der Kreisstraße 35 sind wir wieder im Bereich des Buchschirmes. Nette Wege und Pfade geleiten uns rhöntypisch zum Battenstein mit seinem Stationsweg und der Kapelle. Sucht man nach Informationen zum Naturdenkmal Battenstein, dreht sich fast alles um religiöse Belange. Der Battenstein selbst ist aber ein beeindruckendes Naturdenkmal mit seinen Basaltfelsen, Schutthängen und alten Bäumen, von denen einige leider vor Jahren gefällt werden mussten. Fotos sind mir keine anständigen gelungen. Unsere vorchristlichen Vorfahren, die Kelten tummelten sich ebenfalls in dieser Gegend, werden auch hier ihren natürlichen Glauben praktiziert haben, der mir schon immer näher lag als das, was man mir anerziehen wollte. Trotzdem kann ich die Schönheit des Stationsweges und der Kapelle nicht leugnen. Der Aufstieg ist anstrengend, lohnt sich aber. Etwas versteckt liegt die Kapelle oben auf dem Battenstein. Etliche Exemplare der Akelei blühten rund um die Kirche während unseres Besuchs. Das Innere der 1706 erbauten Kapelle ist ebenso sehenswert wie das Äußere. Von 1755 bis 1760 wurde dann der Stationsweg errichtet und ausgestaltet und es entstand die Kreuzigungsgruppe vor der Kapelle.

Blick Richtung Auersberg

Blick Richtung Auersberg

Nach einem ausgedehnten und wohlverdienten Päuschen kann es dann weitergehen zum Gipfel des Buchschirm. Zuerst machen wir einen kleinen Schlenker durch den Wald, dann geht es in Etappen hinauf. Nach dem Verlassen des Waldes ist der Hilderser erst einmal ein Premium-Aussichtsweg. Man kann sich gar nicht sattsehen am schönen Rhönpanorama rund um die markanten Höhen von Milseburg und Wasserkuppe. Im Vordergrund dazu die herrlichen Wiesen, die ins Tal geduckten Orte und im Hintergrund der schier endlose Himmel mit vielgestaltigen Wolken – was will man mehr, um glücklich und zufrieden zu sein? Wie auch schon 2011 war es allerdings sehr windig und mit jedem Höhenmeter nach oben nahm dieser Wind, glücklicherweise von hinten, zu. Mit etwas Glück tummeln sich allerlei Tiere auf den Hängen und an manchen Stellen erkennt man die in der Rhön häufig vorhandenen Mauern und Haufen aus Lesesteinen. Ich glaube, es gab keine einzige Wanderung ohne solche Gebilde. Selbst mitten im Wald zeugen sie an etlichen Orten noch von ehemals gerodeten und genutzten Flächen. Auf den Buchschirmwiesen findet man auch vielerorts die Charakterpflanze der Rhön, die Silberdistel oder Rhöndistel. Wunderbare Wege zwischen den abgezäunten Arealen führen uns hinauf zur Anhöhe des Buchschirms, wo wir fast direkt am Gipfelkreuz herauskommen. Die Aussicht von hier oben ist hervorragend und einige Infotafeln geben Auskunft über Besonderheiten des Buchschirm. Der Blick schweift über die künstlich erhaltenen Offenlandschaften des Berges, die den seltenen Wiesenbrütern, wie zum Beispiel dem Wiesenpieper, zugutekommen. Ein Stück weiter steht dann im Sternenpark Buchschirm eine famose Schutzhütten-Aussichtsplattform. Unten kann man sich je nach vorherrschender Windrichtung das windstillste Plätzchen suchen, von oben genießt man einen nahezu uneingeschränkten Rundumblick in die Rhön. Gefederte Liegebänke unterhalb der Plattform laden Windresistente zu einem eventuellen Nickerchen ein.

Nachdem die Höhe des Buchschirm ausgiebig erkundet wurde, geht es am Osthang des Berges hinab. Ein schöner Weg mit Aussicht zum Ellenbogen mit „Noahs Segel“, einem etwas anderem Aussichtsturm, der zu Zeiten des Hochbetriebes nur etwas für Stressresistente ist. An der Kehre nach links sind wir nur noch wenige hundert Meter vom ehemaligen Eisernen Vorhang entfernt, der Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Dort liegt auch Oberweid, wo wir 2011 im fantastischen Ferienhaus der Familie Morzeck unterkamen. Am Ende des Waldes, durch den wir wandern, erreichen wir das schöne Gelände der Rhönklubhütte Simmershausen, an der man eine letzte Rast einlegen kann. Es geht noch einmal in die bunten Wiesen der Rhön, mit Aussichten nach Simmershausen und darüber hinaus, dann durch ein letztes Waldstückchen zurück zu unserem Einstieg in die Extratour Hilderser. Wer vom Parkplatz am Köpfchen gestartet ist, geht dahin und wer aus der Ferienhaussiedlung am Buchschirm gekommen ist, kehrt dorthin zurück.

Am Ende eines Tages...

Am Ende des Weges angekommen, wirst du eines vermissen – den Weg dorthin. So ähnlich hat es bereits die österreichische Schriftstellerin Marie Ebner von Eschenbach formuliert. Ebenso verblassen nach und nach Erinnerungen, manchmal zur Freude, manchmal zum Verdruss. Gefühlt ist der Urlaub in der Rhön sehr kurz gewesen und schon lange her. Der Hilderser war die dritte Tour dieses Urlaubs und er war in weiten Teilen höchst wanderbar. Der Buchschirm als zentrales Element ist ein wundervolles Fleckchen Erde und bei weitem nicht so überlaufen wie andere Berggipfel. Das liegt auch daran, dass er nur zu Fuß erreicht werden kann und es hier keine Lokalitäten, Großsehenswürdigkeiten oder ähnliches gibt. Wir waren bei unserem Besuch sogar bis auf eine weitere Person völlig alleine hier oben und konnten uns (fast) der Illusion von Einsamkeit hingeben. Wir fuhren dann noch zur Wasserkuppe, die wir aus 2011 weniger „abgeriegelt“ im Gedächtnis hatten und „flohen“ fast wieder von diesem prominentesten Berg der Rhön. Bereut haben wir es nicht, denn auch in den Tagen danach hatten wir noch fantastische Erlebnisse, weitestgehend abseits der großen Touristenströme.

Zum Schluss in eigener Sache: Mit diesem Beitrag beginne ich (endlich), die Verlinkungen zur Wikipedia auf das Nötigste zu reduzieren. Es ist nicht so, dass alle Beteiligten an der Online-Enzyklopädie Beiträge manipulieren. Es gibt viele engagierte Menschen, die sich darum bemühen, ihre Einträge gewissenhaft, neutral und auf Fakten basierend zu verfassen. Aber gewisse Menschen oder dahinter verborgene Institutionen oder Gemeinschaften haben es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, gewisse, zum Beispiel politisch und gesellschaftlich sensible Informationen zu verschleiern oder zu verfälschen. Ich verweise für alle Interessierten auf die Website wikihausen.de, wo es sachdienliche Hinweise, nein Fakten, zum manipulativen Gebaren gibt. Da ich den Gedanken schon von Anfang an hatte und es viele direkte Websites engagierter Menschen gibt, setze ich ihn jetzt in die Tat um. Es ist aufwendiger, sich selbst auf eine intensivere Suche zu machen, aber ich denke, dass wir in einer Zeit leben, in der es sich lohnt, wieder weniger die einfachen Wege zu gehen. Glaubt wenig, hinterfragt vieles, denkt selbst. Vor allem denkt an eines: Angst ist eine Illusion…

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