
Blick Richtung Andershausen
Auf die Idee, bei Kuventhal wandern zu gehen, kamen wir, als wir vor etlichen Jahren etwas weiter westlich bei Bartshausen wandern waren und von dort aus einen Blick in die schöne Landschaft zwischen dem Krummen Wasser und dem Einbecker Wald werfen durften. Die erste Tour von damals, neun lange Jahre ist es her, haben wir in einigen Abschnitten angepasst. Dieses Mal verlängerten wir über die sehenswerte Kuventhaler Brücke und verkürzten im Tal des Krummen Wassers. Den Einbecker Wald, den wir einmal von der Burg Greene aus erkundet hatten, ließen wir ganz weg, weil uns die Wege dort zu breit und recht eintönig erschienen. Vielleicht waren wir damals aber auch zur falschen Zeit am rechten Ort. Bei der Recherche nach der Wanderung stieß ich auf den Weg durch den „Märchenwald Einbeck“, der nahe dem Hube-Parkplatz angelegt wurde. Den würden wir eventuell für nächstes Mal mit einplanen. Die Gegend bei Kuventhal und Andershausen ist nicht gerade als Wanderparadies bekannt, hat aber ihren ganz eigenen Charme. Wenn man wie wir gerade die abseitigen Wege und die ein wenig in Vergessenheit geratenen Gegenden sucht, merkt man, dass fast jeder Fleck sich irgendwie zum Erkunden lohnt, seine eigenen Züge trägt. So wie jedes Blatt, jede Schneeflocke und jedes Sandkorn einzigartig sind, gibt es auch die Merkmale dieser Landschaft kein zweites Mal so auf der Erde. Vielleicht ist es zum Teil diese Erkenntnis und der Umstand, dass wir mittlerweile ein zwar oberflächliches, aber recht breit gefächertes Interesse entwickelt haben, dass wir dort gerne laufen, wo es manch anderem nicht im Traum einfallen würde. Das ist aber auch keine spontane und/oder bewusste Entscheidung gewesen, sondern hat sich im Laufe der Zeit ganz langsam entwickelt. Als wir anfingen zu wandern, hieß es auch für uns: Schneller, öfter, weiter und höher. Im Laufe der Zeit sind wir auf der einen Seite anspruchsloser geworden, auf der anderen aber auch anspruchsvoller.
Los geht es am Parkplatz an der Hube. Man kann noch heute erkennen, dass dieser Ort einmal etwas Besonderes war beziehungsweise immer noch ist. Bevor mit der Wilhelmsbrücke 1830 die erste Brücke im Tal des Krummen Wassers bei Kuventhal errichtet wurde, lief der größte Teil des Handelsverkehrs wohl hier über die Hube. Hier war der nördlichste Verteidigungspunkt der Einbecker Landwehr, hier stand eine Warte und nach der Aufgabe der Landwehr gab es hier seit 1735 ein Gasthaus, das bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts betrieben wurde. 1970 wurde die aufgegebene Wirtschaft im Rahmen einer Feuerwehrübung „warm abgerissen“. Man kann noch Spuren der Vergangenheit entdecken, aber die meisten sind verschwunden. An der großen Wiese mit Hütten und Rastplatz steht aber noch die alte Hube-Linde und staunt vielleicht über der Launenhaftigkeit der Menschen. An der Linde vorbei gehen wir die ersten Meter in Richtung Kuventhal. Das fängt gleich mit einem feinen Waldpfad an, der durch einen schönen Wald führt. Am Wegesrand gleich jede Menge Exemplare der Türkenbundlilie, die sich immer noch Zeit ließ, die vor etlichen Wochen bereits erschienenen Knospen endlich zu öffnen. Parallel zu uns im Wald ist irgendwo der Verlauf der ehemaligen Landwehr. Ob man im Gelände noch etwas von ihr erkennen kann, entzieht sich unseren Blicken. Es geht ein paar hundert Meter weit, dann nähern wir uns dem Waldrand und einem ersten Ausblick in die Richtung von Andershausen und die dahinter liegenden Höhenzüge, wie zum Beispiel die Ahlsburg. Das sieht schon etwas idyllisch aus und überrascht vielleicht den ein oder anderen, der die Gegend bislang nur aus dem Auto kannte. Ein Stück weiter gehen wir dann an den Waldrand und haben jetzt eine permanente Aussicht in die Landschaft zwischen Süd und West.

Am Ortsrand von Kuventhal
Die Umgebung von Bartshausen sieht von hier auch sehr interessant aus und ist es eigentlich auch. In den gelb-grünen Feldern blüht eventuell der Mohn, am blauen Himmel ziehen weiße Wattewölkchen, das ist schon ein tolles Bild. Dann gehen wir links hinunter, am Friedhof von Kuventhal vorbei in den Ort. Erst sollte es dieses Mal aber über die Kuventhaler Brücke gehen, die dem Dorf heutzutage doch merklich die idyllische Lage verhagelt. Die alte Wilhelmsbrücke, die etwas tiefer direkt daneben lag, war da noch etwas gediegener und vor dem Bau jeglicher Brücke war es hier wohl sehr beschaulich. Die Kuventhaler Brücke ist mit ihrer doppelstöckigen Konstruktion schon etwas Besonderes und soll die erste ihrer Art in Deutschland gewesen sein. Wir haben eine doppelte Brücke bislang nirgendwo anders gesehen. Glücklicherweise können wir das Bauwerk in der unteren Etage überqueren, die als Verbindung mehrerer Kreisstraßen dient. Über die obere Etage läuft der wesentlich größere Teil des Fernverkehrs über die Bundesstraße 3, die hier auch als Umgehung von Einbeck dient. Von der Brücke hat man einen guten Ausblick auf das unter uns verlaufende Krumme Wasser und weite Teile von Kuventhal. Auf der anderen Seite geht es dann auch gleich hinab in den Ort, dessen hübschen Kern man auch gerne noch ein wenig erkunden darf. Ansonsten geht es nahezu sofort ins Tal des Krummen Wassers. Der nur fünf Kilometer lange Bach, der kurz vor Kuventhal aus zwei kleineren Bächen gespeist wird und bei Einbeck bereits in der Ilme aufgeht, hat durchaus schöne Abschnitte und es gibt Bestrebungen, ihn weiter zu renaturieren. Der von uns begangene Abschnitt ist auf jeden Fall sehr freundlich, wenn wir auch auf einem asphaltierten Weg gehen, der hauptsächlich dem Fahrradverkehr dient. Beim letzten Mal liefen wir noch ein ganzes Stück weiter, dieses Mal entschieden wir uns für einen früheren Aufstieg in die Feldmark des Kuventhaler Berges. Gut so!
Denn es geht kurz bergauf zu einem freundlichen Grasweg durch die Felder. Linker Hand ein nahezu undurchdringlich zugewachsener Gebüschgürtel um einen Wald, rechter Hand haben wir den Blick ins Bachtal des Krummen Wassers und die dahinter liegenden Hügel. Kurz geht es dann durch ein dschungelartiges Wäldchen, das irgendwie besonders wirkt, ohne dass wir genau sagen könnten, warum. Vielleicht gab es hier einst einen kleinen Steinbruch oder das Gebiet wurde anderweitig in seinen heutigen Zustand versetzt beziehungsweise in diesem belassen. Wie aus einem Mauseloch kommt man dann urplötzlich hinaus auf eine weitläufige Grasfläche. Sehr urig und speziell irgendwie das Ganze. Ein grasiger Trampelpfad führt über die zum Beispiel von Margeriten bewohnte Fläche, von der aus man auch die noch recht mäßige Aussicht genießen kann. Zwischen zwei Wäldchen hindurch wandern wir dann entlang von Wiesen und Feldern in Richtung Einbeck. Etliche in Vollblüte stehende Holundersträucher und Rosenbüsche rahmen den Blick auf die ehemalige Hansestadt ein, die durch das hier gebraute Bier, insbesondere das „Ainpöckische“, das Bockbier, bekannt geworden ist. Nach Einbeck gehen wir aber heute nicht, sondern biegen stattdessen in Richtung Kuventhal ab, das wir aussichtsreich auf teils sehr schönen Wegen erreichen. Die ganze Landschaft, die wir hier durchstreifen, ist relativ gut strukturiert und man hat immer wieder Aussichten, sodass es eigentlich überhaupt nicht langweilig werden kann. Hinter der Anhöhe mit Rundumsicht geht wieder hinab nach Kuventhal, vorbei an ein paar Häusern des Ortes und einem zum Fledermausquartier umfunktionierten Trafotürmchen und schon sind wir wieder draußen. Hier kann sich natürlich jeder seine eigenen Lieblingswege suchen, wir haben das dieses Mal ganz spontan entschieden.

Blick zum Wahrberg
Anfangs von Bäumen und Sträuchern bestanden, dann fast völlig kahl, geht es hinauf nach Andershausen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der kleine Ort nahezu ausgelöscht, erholte sich dann wieder und erlangte seine heutige Größe durch die Ansiedlung etlicher Heimatvertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Ort schauen wir uns den Glockenturm an. Eine 1544 erwähnte Kapelle verschwand bei der Zerstörung des Ortes im 17. Jahrhundert, lediglich der Turm der Glocke wurde neu errichtet. Über den Clusweg geht es dann bereits wieder hinaus aus dem kleinen Dorf und hinein in die Feldmark. Noch einmal können wir die Aussichten und die nicht strukturarm zu nennende Landschaft genießen, dann geht es hinauf zur Hube. Am Waldrand noch ein nettes Pausenplätzchen, bevor uns ein wunderbar schmaler Trampelpfad erst am Waldrand entlangführt, dann am Galgenberg rechts entlang zum Hubeberg. Hier verläuft parallel zu dem für den Autoverkehr zum Parkplatz ausgebauten Hubeweg ein weiterer Trampelpfad. An dem steht zum Beispiel ein historischer Meilenstein, der uns darauf hinweist, dass wir uns hier sieben Meilen entfernt von Hannover befinden. Ich denke, das ist durchaus ausreichend. Ein Stück weiter befindet sich das Gelände der Waldgruppe des Einbecker Kindergartens „Pusteblume“. Hier kann man einen Abstecher zur Königsstuhlhütte machen. Direkt danach überqueren wir die Straße und gehen auf der anderen Seite ein paar Meter durch die Buchenhallen zurück zu unserem Ausgangspunkt an der Hube.
Am Ende eines Tages...
Jau! Bestimmt nicht für jedermann und jederfrau gemacht, aber für uns wieder ein schöner Tag auf einem schönen Fleckchen Heimatscholle. Historisch interessant, aussichtsreich, durchaus spannend. In der näheren Umgebung gibt es noch etliche Ziele für mehr oder weniger ausgedehnte Abstecher, wie zum Beispiel zum Naturschutzgebiet Altendorfer Berg, zu den Burgen Heldenburg bei Salzderhelden und Greene und vieles mehr. Der Ellenser Wald zum Beispiel und auch die Gegend zwischen Lüthorst und Bartshausen laden auch zum Wandern ein. Ersteren haben wir dieses Frühjahr schon besucht und für zweitere Gegend hoffe ich, dass wir sie zeitnah noch einmal „in Angriff“ nehmen können. Viel Spaß.
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