Die Orga von Osnabrück rief auf zur Großdemonstration unter dem Motto „Der Nordwesten steht auf“. Da wir bereits im April in der Stadt des Westfälischen Friedens waren und es uns dort auch sehr gefallen hatte, ließen wir uns nicht lange bitten. Im Gegensatz zum ersten Mal, wo es zwischenzeitlich kleine Hunde geregnet hatte, war es dieses Mal knallig heiß. Als wir am Schlossplatz ankamen, suchten viele noch Schutz unter den umliegenden Bäumen. Wir gingen sogar ein wenig abseits, weil meine Beste nach einer Toilette suchte. Dort trieben sich einige junge Leute herum, die ich aufgrund meiner Lebenserfahrung als Studenten einschätzen würde. Eine davon fing an, ganz allgemein über Nazis zu wettern und über die Demonstranten, das Ganze dann aber so laut, dass wir es nicht überhören konnten. Als ich mich dann dazu äußerte, flippte das Mädel regelrecht aus und entfernte sich unter hysterischem Gebrabbel, dass ich nicht mehr verstehen konnte. Es kam während der Kundgebung zu mehreren hässlichen Szenen seitens junger Leute, höchstwahrscheinlich aus dem studentischen Milieu, die sich beleidigend gegenüber den völlig friedlichen Demonstranten zeigten. Glücklicherweise funktionierte in dieser Hinsicht wenigstens die vorhandene Polizei und wies diese Menschen zurecht. Es ist wirklich harter Tobak, was mit Teilen unserer Jugend mittlerweile los ist. Bildung scheint auch keinen Respekt hervorzubringen. Als ich in diesem Alter war, wäre es mir im Leben nicht eingefallen, mich so dumm gegenüber Menschen zu verhalten, die wesentlich älter und lebenserfahrener sind. Innerlich hat man die Alten auch oft belächelt, aber sich so offensichtlich respektlos und menschenunwürdig zu verhalten? Damals gab es das nicht und das war definitiv gut so.

So bunt sind wir

So bunt sind wir

Neben diesen Leuten waren auch die Figuren von der Antifa dabei. Nein, war Spaß. Die Antifa ist mittlerweile tot und die Kinder, die sich als solche ausgeben, sind gelangweilte Wohlstandskinder, die nichts Besseres zu tun haben, als nichts zu tun. Immer gegen etwas, weil sie nicht wissen, wofür sie sein sollen. Wären wir wirklich Nazis, würden die auf jeden Fall nicht so locker am Straßenrand stehen und ihre erbärmlichen Parolen brüllen. Na ja, Schwamm drüber, die standen also auch an allen möglichen Ecken herum und brüllten und hampelten und streckten Mittelfinger raus. Wie man so völlig verblödet sein kann, sich immer wieder so zu verhalten und dann zu glauben, man würde zu den Guten gehören, übersteigt meine geistigen Fähigkeiten. Die Kundgebung vor dem Spaziergang war relativ kurz, was wegen der Hitze auch ziemlich gut war. Es gab dann noch ein wenig Mucke und dann ging es auf die Bahn. Immer wieder auffällig, wie jung unsere Polizei mittlerweile ist und wie emotionslos ihre Blicke uns gegenüber sind. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Allgemein ist aber etwas in dieser Gesellschaft geschehen, was ich als gruselig empfinde. Eigentlich sollte man meinen, dass durch all den Fortschritt und die Verbesserungen die Welt ein bisschen besser geworden sein müsste. Die Menschen müssten doch eigentlich freundlicher miteinander umgehen, aber sie tun es nicht. Die Welt ist noch kälter, noch einsamer, noch verzweifelter, noch dümmer geworden. Da sind die wenigen Momente, die man mit mehreren hundert anderen Menschen gemeinsam auf einer Demo, während eines Spaziergangs verbringen kann, Gold wert. Wieder einmal waren wir mit ungefähr 600 Menschen auf der Straße und wieder einmal waren wir laut, bunt, friedlich, freundlich und fröhlich. Und wüsste ich, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einmal spazieren gehen.

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