Nach Herne entschieden wir, dass wir nicht mehr so weit fahren würden. Zwei Tage später ging es nach Berlin … lol. 600 Kilometer hin und zurück. 14 Stunden unterwegs. Aber es war uns wichtig, denn an diesem Tag wurde in Täuschland über die Allgemeine Impfpflicht entschieden. Heute erscheint es einem fast surreal, dass einst überhaupt eine allgemeine Impfpflicht diskutiert wurde. Aber es wurde damals ja auch gesagt, dass Ungeimpfte Tyrannen und Terroristen sind, dass ihnen die Rente gekürzt werden solle, dass man sie zwingen müsse, sich den letzten Schuss zu setzen. Es waren irre Zeiten, es sind irre Zeiten und ich denke, ich werde in diesem Land nur noch irre Zeiten erleben. Berlin war ein „Kulturschock“, weil ich 1999 das letzte Mal dort war. Eigentlich wollte ich auch nie wieder hin, aber die Pflicht rief. An einem solch schönen Tag wären wir lieber wandern gegangen, so gingen wir spazieren. Auf dem Weg zur Demo wären wir beinahe auf der falschen Demo gelandet. Am Potsdamer Platz demonstrierten wohl die Eisenbahner, wenn ich mich richtig erinnere. Da waren, weil es um das liebe Geld ging und nicht nur um die schnöde, wertlose Freiheit, wohl mehr Menschen als am Brandenburger Tor, das wir kurz danach erreichten. Zur Spitze mögen es 2.000 – 3.000 Menschen gewesen sein in einer Stadt mit knapp 3,7 Millionen Einwohnern. Freiheit ist anscheinend überbewertet.

Beim Bundesbräsi
Um es vorwegzunehmen: An diesem Tag wurde die Allgemeine Impfpflicht gekippt. Sie bekam keine Mehrheit. Die „Widerstandsbewegung“ schrieb sich das auf die Fahnen, aber ob unsere Präsenz auf der Straße wirklich jemanden juckt, sei einfach mal dahingestellt. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits zweimal auf den letzten Drücker gestochen mit dem Giftmüll, weil ich diesen einen Job einfach nicht hergeben wollte, nicht konnte. Heute weiß ich, dass ich mich nicht hätte spritzen lassen müssen, aber hinterher ist man halt immer schlauer. Was man aber auch sagen muss: Nachdem die Allgemeine Impfpflicht abgeschmettert wurde, hat der Druck auf der Straße merklich nachgelassen, weil auf einmal viele von denen, die nicht mehr gefährdet waren, zu Hause blieben. Sie hatten ihr persönliches Ziel erreicht und die anderen, die Menschen in den sozialen Berufen, die Soldaten und andere, durften sehen, wo sie blieben. Mag sein, dass es auch andere Gründe dafür gibt, dass die Proteste stark nachgelassen haben, aber wenn ich sehe, wie manche Menschen das schon seit drei Jahren und länger machen, kann ich nicht einfach zu Hause bleiben und zusehen oder gar wegsehen. Aber das muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen.
Es war ein schöner Tag in Berlin und jeglicher Gegenprotest hielt sich in engen Grenzen. Wir zogen wieder einmal bunt, friedlich, fröhlich und freundlich durch die Straßen der Stadt. Schade, dass ich es immer nicht schaffe, auch die vielen, kleinen schönen Momente einzufangen. Da empfehle ich zum Beispiel den Telegram-Kanal von Sandra Dornboos, die auf vielen Demos dabei ist und immer tolle Fotos einstellt. Vom Brandenburger Tor zogen wir zur Goldelse. Hier hatten wir einen Mann vor uns, der mit einem fetten Hammer auf ein Ölfass einhämmerte. Das war etwas zu viel für unser Nervenkostüm, sodass wir uns zu den Trommlern an der Spitze durchschlugen. Vom Schloss Bellevue, wo es eine kurze Zwischenkundgebung gab, ging es nach Moabit. Danach verlor ich den Überblick, weil die Stadt sich in den letzten 20 Jahren doch ein wenig verändert hatte. Wir waren wenige, aber wie immer gilt: Wanderer, kommst du nach Berlin, verkünde dorten, du habest uns dort gehen sehen, wie das ewige Gesetz es befahl! Am coolsten fanden wir das (vermutlich junge) Mädel, dass sich aus Masken aller Art ein Kleid genäht hatte und damit jede Menge Aufsehen auf sich zog. Überhaupt hatten sich viele etwas einfallen lassen und es war ein bunter Zug, der alle lachhaft erscheinen ließ, die uns auf die dunkle Seite der Macht stellen wollten. Da steht die sogenannte, mittlerweile von irgendwem gekaufte Antifa schon selbst und wer immer sich diesen schwarz vermummten, hetzenden, hasserfüllten, beleidigenden und bemitleidenswerten Trauergestalten anschließt, der möge sich schämen.
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