Die Demo in Gifhorn war eine Initialzündung und ich sah mich in den Wochen danach nach Möglichkeiten um, an Wochenenden an ähnlichen Veranstaltungen teilzunehmen. In Niedersachsen sah es ziemlich mau aus. Natürlich bei Telegram, wo ich immer mehr informative Kanäle fand, traf ich auf die „Bochumer Freiheitstrommeln“. Die waren damals, wenn ich mich nicht täusche, viel im Ruhrgebiet unterwegs und sollten Anfang April an einer Großdemo in Herne teilnehmen unter dem Motto „Der Pott erwacht 2.0“. Zufälligerweise hatten wir da Urlaub und das Wetter war nicht optimal zum Wandern. Also ging es auf die „große“ Reise in den Ruhrpott, den wir beide sowieso noch gar nicht kannten. Wir waren wie immer sehr früh unterwegs, wollten uns aber auch vorher noch die ein oder andere Sache ansehen. In dem Fall war das der Landschaftspark an der ehemaligen Halde Hoheward, die Teil der größten Haldenlandschaft des Ruhrgebietes ist. Letztendlich doch später dran als gedacht, wurde es nur ein kurzer, aber sehr interessanter Abstecher. Dann ging es zum Festplatz der Cranger Kirmes, von der wir noch nie gehört hatten, die aber mit weit über 4 Millionen Besuchern jedes Jahr zu den größten Volksfesten in Täuschland zählt. Wenn es um Sehen und gesehen werden, um fein herausputzen und Fressen und Saufen geht, da ist der Deutsche immer ganz weit vorne dabei. Als wir an diesem Tag hier ankamen, trieben sich gerade mal ein paar Dutzend Menschen hier herum, die meisten davon Polizisten.

Der Pott erwacht 2.0

Der Pott erwacht 2.0

Das wurde dann aber schnell besser und so fanden sich bis zum Start ungefähr 1.500 Menschen ein. Eins kann ich zu jeder Demo sagen: Es sind immer zu wenig. Das ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass es in jeder Generation wohl nur eine kleine kritische Masse gibt, die irgendwann wirklich die Nase von dem Unsinn und Irrsinn voll hat, von dem unheiligen Geist, den es in jeder Zeit gibt. Die Bochumer Trommler, die wohl zu den ersten Gruppen in Deutschland gehören, machten aber ordentlich Laune und ersetzten allein mindestens tausend Leute. Sehr angenehm war es, dass es nur kurze Redebeiträge gab, unter anderem von Arthur Helios und dass es dann recht zügig losgehen konnte. Glücklicherweise dieses Mal auch wieder ohne die bescheuerten Masken. Wo es lang ging? Keine Ahnung. Wir sind immer froh, wenn es wieder zum Ausgangspunkt zurückgeht und das war auch dieses Mal der Fall. Es war wieder eine durch und durch bunte, friedliche, freundliche und fröhliche Truppe, die durch Herne zog und es gab viel Zuspruch vom Straßenrand und aus den Häusern. Witzig, dass sich am meisten Menschen mit offensichtlich ausländischen Wurzeln über die bunte Truppe freuten. Manche schauten allerdings etwas erstaunt. Vielleicht waren sie der Meinung, es handle sich um ein Volksfest, das sie bislang noch nicht erlebt hatten. Zwischendrin gab es einige unerfreuliche Kontakte mit … ja, was sind das eigentlich für hasserfüllte, grölende, beleidigende junge Menschen, denen anscheinend von niemandem Respekt gegenüber Andersdenkenden, gegenüber Älteren oder sonst eine Art von Respekt beigebracht wurde. Wie immer galt: Lächeln und winken. Über 500 Kilometer Autofahrt, insgesamt 12 Stunden unterwegs, 2 Stunden Spaziergang, 2 Tage dröhnten die Ohren von den ungewohnten Trommeln – es war jeden Meter, jede Sekunde wert. Am nächsten Tag, dem Montag, ging ich in Hildesheim mit und am Donnerstag ging es dann am Tag der Impfentscheidung nach Berlin.

P.S.: Auch hier darf ein jeder von denen, die sich haben einreden lassen, dass wir Nazis sind, gerne davon überzeugen, wer die Menschen wirklich sind, die teilweise schon seit über 3 Jahren auf die Straße gehen. Auch für die, die immer noch auf dem Sofa sitzen. Wir sind keine Nazis! Aber was sind die, die tatenlos wegsehen oder gar gegen die hetzen, die aufgestanden sind? Wenn der Faschismus wieder aufersteht, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus!“ Er wird sagen: „Ich bin die Demokratie!“

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